Geschichte von Pfersee wie sie im Adressbuch für Pfersee aus dem Jahr 1906 abgedruckt ist. [Ergänzungen stehen in eckigen Klammern]
       
    Kurze Orts-Geschichte von Pfersee.
       
    (Verfaßt von Andreas Müller, Lehrer)
       
    Pfersee ist das größte und bevölkertste Pfarrdorf im Bezirksamte Augsburg und im Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg. Ursache der dichten Bevölkerung ist neben den vielen Fabriken die Nähe von Augsburg. Pfersee ist gleichsam das westliche Eingangstor von Augsburg; denn der Name Pfersee bedeutet soviel als "Pforte". Der Ortsname klinkt keltisch und dürfte von Perz-Pforte abzuleiten sein; denn die Außenwerke von Augusta Vindelicorum - Augsburg - reichten bis an die Anhöhen des Wertachtales. Der wichtigste Flußübergang über die Wertach war mit wohlbefestigten Brückenköpfen auf beiden Seiten verwahrt und auf dem linken Flußufer stand ein römisches Kastell. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts stieß man auf die Fundamente dieser alten Römerburg.
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    Sagenhaft und unglaublich klingt dagegen die Mitteilung, daß der römische Feldherr Varus sich an der Wertach in selbstmörderischer Absicht in einen kleinen See stürzte, der dann den Namen Varus-See führte; später aber Vari-See genannt wurde, dem dann der Ort Pfersee seinen Namen zu verdanken habe.

    An Stelle des alten Römerkastells wurde eine Burg erbaut, welche bischöfliche Dienstmannen bewachten. Um diese Burg entstand dann eine Ansiedlung, das Dorf Perzse oder Perzheim. Die Burg war mit einer großen Mauer umfangen; diese zog sich vom heutigen Saalbau 3 König [Augsburger Str. 37(alte Hs.-Nr.40)] gegen die Sonnen- [Gellert-] und Färberstraße hin.

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    Schon in der Römerzeit widerhallte das Wertachgefilde und Pfersee von Waffenlärm. Beweise davon sind die in dem alten Flußrinnsal oder an den Ufern der Wertach in den Jahren 1582, 1603, und 1731 zum Vorschein gekommenen oder wieder ausgegrabenen Römer-Monumente. Nach den Stürmen der Völkerwanderung kam Pfersee an die Bischöfe von Augsburg. Das angewachsene Dorf wurde den bischöflichen Truchsessen von Leitershofen und später zum Teil auch den alten bischöflichen Marschällen als Dienstlehen zugeteilt.
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    Am Anfang vom 12. Jahrhundert erscheint in der Urkunde ein Ritter Herman de Perzheim. Damals hatte Pfersee bereits eine Pfarrkirche, welche die Dominikaner mit dem Zehent und mit den Gefällen vom Hirtenamt nutznießlich inne hatten. 1249 herrschte Sigfridus de Pfersee auf der Burg. Die Beurkundeten milites de Pferse stammten von den ritterlichen Truchsessen von Leitershofen; denn das in dem Kloster Ober-Schöne[n]feld aufgehängte Wappen der Ritter von Pfersee enthält, wie jenes der bischöflichen Truchsessen von Leitershofen, einen weißen Topf oder Hafen in rotem Felde.
       
    Der Ritter Herman de Pfersee, welcher seine Tochter an den Kämmerer von Wöllenburg verheiratete, wurde Kastellan von Wöllenburg. Er war ein schlimmer Herr und erfüllte die ganze Gegend jahrelang mit Raub und Brand. Der Raubritter wurde in die Reichsacht erklärt und der kaiserliche Landvogt zu Augsburg, Graf Konrad von Kirchberg,, hatte dieselbe auszuführen. Wer dem von Pfersee oder seinen Helfern 1 Pfd, Geld gab, wurde mit 10 Pfd. gestraft. Niemand durfte bei Strafe mit 10 Pfd. die Geächteten, ihre Weiber oder Kinder beherbergen oder ihnen Speis und Trank reichen oder in Wälder bringen. Erst 1312 ward Herman vollständig besiegt. Er war aber nicht mehr im Besitz der Burg von Pfersee; er hatte sie etwa 25 Jahre vorher an den Bischof Siegfried von Augsburg verkauft. Der gefürchtete Raubritter starb 1327.
       
    Seine Nachkommen verkauften das Dorf Pfersee um 500 Pfd. guter Augsburger Pfennige an Konrad Ohnsorg, Bürger von Augsburg. Nun verschwindet das Geschlecht derer von Pfersee aus Augsburgs Nachbarschaft und erst 1379 ist wieder ein Pranthoch von Pfersee als Bürge bei einem anderweitigen Gutsverkauf beurkundet. 1345 verkaufte Heinrich III., bezw. verpfändete die Burg von Pfersee mit Zubehör, den Widdumshof; die Mühlen und Auen um 1175 Pfd. an Konrad Ohnsorg zu Wöllenburg, welcher 15 Jahre zuvor von Herman und Pranthoch das Dorf Pfersee erkauft hatte. Hiedurch vereinte Ohnsorg den ganzen Ortsbesitz und mit solchem auch alle Gerichtsbarkeitsrechte. Kaiser Ludwig der Bayer bestätigte durch eine besondere Urkunde die Veräußerung. 1363 verkaufe die Witwe dieses Konrad Schloß, Dorf und Zehent an Sebastian Rehm.
       
    In einer Fehde zwischen dem Herzog von Bayern und der Reichshauptstadt Augsburg wurde Pfersee 1372 verbrannt.
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    Von Sebastian Rehm ging ein Teil Pfersees an Kunrad Ilsung über. Unter dem damaligen Ilsung'schen und Rehm'schen Doppelbesitz 1363 - 1382 wurde eine zweite Burg in Pfersee - die vordere Burg genannt - erbaut, welche jedoch im 17. Jahrhundert wieder abgebrochen wurde. 1432 hatte in dem Kriege zwischen Herzog Ludwig von Bayern und dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg, ersterer, wähernd er Augsburg belagerte, in Pfersee sein Lager aufgeschlagen; von da aus schickte er alle Tage einen Trompeter mit silbernen Flaschen nach der belagerten Stadt und ließ dieselben mit gutem Wein füllen, was ihm auch der Rat gewährte. Ludwig zog dann nach Wöllenburg und Bobingen und wieder nach Augsburg, wobei er neben mehreren Ortschaften auch Pfersee verbrannte. Das Dorf wurde wieder neu aufgebaut, und die nachfolgende Generation erholte sich rasch. Am Ende des 15. Jahrhunderts zählte Pfersee etwa 50 Häuser.
       
    Von Ilsung ging Pfersee an verschiedene Augsburger Familien über.
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    Da Pfersee im Bereich der Markgrafen von Burgau lag, beanspruchte der damalige Markgraf Erzherzog Ferdinand gewisse Oberherrlichkeitsrechte und erlaubte 1569 den Juden gegen den Willen des derzeitigen Gutsherrn Sailer die Ansiedelung in Pfersee. Dies ärgerte Sailer derart, daß er 1570 Pfersee um 18000 fl. an Michael Kazböck von Thürnstein zu Oberhausen abtrat. 1579 kaufte der Augsburger Bürger Martin Zobel Pfersee um 20000 fl. d.h. 2/3 des Dorfes, 1/3 mit der alten Burg, Kirche und Patrontrecht gehörte dem Bischof und dem Domkapitel. Zobel ließ sich in Pfersee huldigen, bekannte sich zur lutherischen Lehre; auch gelang es ihm bald, einen großen Teil seiner Untertanen protestantisch zu machen. Die Burgauischen Beamten vertreiben 1581 etwa 150 Bekenner des protestantischen Glaubens aus Pfersee. Zobel ersuchte den Rat der Stadt Augsburg, sich dieser Sache anzunehmen; es wurde ihm aber solches abgeschlagen, jedoch seinen vertriebenen Untertanen gestattet,
    bis sie anderswo ein Unterkommen finden würden, sich zu Augsburg aufzuhalten.

    Als Zobel Besitzer von Pfersee war, wohnte in dem Dorfe der Maurer David Mozart, der 1643 Bürger von Augsburg wurde. Von diesem ehemaligen Maurer stammt der berühmte Tondichter Wolfgang Amadeus Mozart ab.

    Die Nachkommen Zobels verkauften 1682 die innegehabten 2/3 des Dorfes mit Zubehör um 60000 fl und 15000 fl Leihkauf an die Jakobspfründe in Augsburg, welche es bis zur Säkularisation behielt.

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    Drei Jahre später wurde die hiesige Pfarrkirche vom Grunde aus in gutem Renaissance-Stil neuerbaut, der Turm 1686 vollendet. Unter Pfarrer Eschenlohr 1725 wurde die Kirche mit Gemälden geschmückt. Nach dem Tode von Eschenlohr trennte sich die Filiale Stadtbergen von der Mutter-Pfarre Pfersee. 1710 kaufte Bischof Alexander Sigmund von den Zobelschen Erben das Drittel, welches die Familie Zobel im Laufe der Zeit erworben hatte, um 22000 fl und 1100 fl Leihkauf zum Bistume zurück. Dieser Anteil kam bei der Säkularisation des Bistums 1802/03 an die Krone Bayerns. Die übrigen 2/3 des Ortes blieben vorerst als Eigentum der Jakobspfründe unter Kuratel der Stadt Augsburg.
       
    Nach dem Preßburger Frieden vom 27. Dezember 1805 wurde Augsburg mit Umgebung, also auch die genannten 2/3 von Pfersee, mit der Souveränität der Krone von Bayern zu einem Ganzen verbunden. Pfersee wurde dem Landgericht Göggingen zugeteilt und das Schloß zum Kgl. Rentamtssitz erhoben.
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    Bei der Säkularisation hatte Pfersee nicht ganz 600 Einwohner. Diese nährten sich teils von Landwirtschaft, teils von Gewerbe; namentlich stand das Uhrenmacherhandwerk in hoher Blüte. Die Juden mehrten sich und mit ihnen auch der Handel. Die Israeliten, welche sich 300 Jahre lang bald in kleinerer, bald in größerer Zahl in Pfersee niedergelassen hatten, zogen in der zweiten Hälfte des vorigen [19.] Jahrhunderts mehr und mehr nach dem nahen Augsburg oder nach anderen Städten. Die Synagoge, welche in der Leitershoferstraße - jetzt Nr. 15 - stand, wurde 1876 abgebrochen.

    1812 wurde die Wertachbrücke erbaut und im nächsten Jahr der Pferseer Steg abgebrochen. In den Jahren 1836/37 und 1854 brach in Pfersee die Cholera aus, der Ort hatte damals schwer zu leiden.

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    In den Vielen Friedensjahren, welche nach den Befreiungskriegen folgten, erholte und kräftigte sich Pfersee rasch, besonders begann für Pfersee ein neuer Zeitabschnitt nach dem glücklichen, glorreichen Kriege 1870/71. Wie in ganz Deutschland ein industrieller Aufschwung sich geltend machte, so auch im hiesigen Pfarrdorf. Nachdem schon 1866 die sogenannte große Fabrik "Spinnerei und Buntweberei" gebaut wurden war, entstanden rasch nach einander verschiedene industrielle Anlagen. 1870/71 die landwirtschaftliche Maschinenwerkstätte der Gebrüder Demharter, 1875 die Chemische-Fabrik von Rad & Hirzl (jetzt chemische Fabrik Pfersee-Augsburg Dr. v. Rad), 1876 die sogenannte kleine Fabrik von R. Bernheim, die spätere mechanische Buntweberei von Max Triebke (nun J. P. Bemberg A.-G.), kurz darnach die Süddeutsche Trikotwarenfabrik (nunmehr mechanische Buntweberei Raff & Söhne), die Trieurfabrik von Julius Preßl (jetzt Mayer & Co.), 1885 die Laubsägen- und Uhrenfedernfabrik der Firma J. N. Eberle & Co. 1887 bauten die Gebrüder Schnell die Jacquard-Weberei an der Mühlstraße (jetzt mechanische Weberei am Mühlbach), 1888 folgte die Wollwäscherei von Otto Lieb. Im gleichen Jahr entstand die Appretur- und Schlichtemittelfabrik von R. Bernheim, Färberstraße Nr. 12. Die genannten Fabrikanlagen wurden im Laufe der Zeit durch An-, Um- und Neubauten vielfach wesentlich vergrößert und verschönert. Die neueste industrielle Niederlassung ist die Pergamentfabrik von Karl Wildbrett, der gleichzeit eine der Neuzeit entsprechende Badeanstalt (Marienbad) eröffnete.
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    1888 errichtete Max Walter in Nr. 1 Stadtbergerstraße die erste Buchdruckerei dahier und gab das erste Anzeige- und Unterhaltungsblatt für Pfersee "Der Landbote" heraus. 1892 ging die Buchdruckerei an die Herren Hieber & Bögner über; das Amts- und Anzeigeblatt kam in Druck und Verlag von L. Mayer in Lechhausen. Als 1898 A. Hieber die Buchdruckerei allein übernahm, brachte er die Herausgabe des Amts- und Anzeigeblattes für Pfersee und Umgebung in seinen Verlag.
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    Dem Bau der Fabriken folgten ebenso rasch verschiedene andere Neubauten. Ganze Straßen wuchsen wie aus der Erde und mit ihnen hob sich die Bevölkerung so schnell, daß die alten öffentlichen Gemeindeanstalten nicht mehr genügten. Die Bevölkerungszunahme innerhalb 100 Jahren zeigt folgende Zusammenstellung: Als Pfersee unter die Bayerische Herrschaft kam, [1802] zählte es ungefähr 600 Einwohner. 1822 umfaßte es 114 Haupt- und 16 Nebengebäude, etwa 196 Familien mit 778 Seelen. Bis in die sechziger Jahre gab es beinahe keine Mehrung; denn 1862 der Ort nur etwas über 800 Bewohner.
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    Der Entwicklung der Industrie in den letzten 4 Dezennien folgte eine rasche Steigerung der Bevölkerungszahlen. 1871 betrug die Seelenzahl schon 1854, also eine Zunahme von circa 1054 oder 131,75% innerhalb nicht ganz 10 Jahren.

    1875 waren es 2884 Einwohner. Zunahme in 4 Jahren 1030 oder 55,67%
    1880 "     "  3370 "          "       "  5 "       486 "    16,87%
    1885 "     "  4169 "          "       "  5 "       799 "    23,41%
    1890 "     "  5333 "          "       "  5 "      1161 "    27,60%
    1895 "     "  5751 "          "       "  5 "       461 "     7,90%
    1900 "     "  7013 "          "       "  5 "      1262 "    21,95%
    1905 "     "  8589 "          "       "  5 "      1576 "    22,48%

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    Am 1. Dezember 1905 hatte Pfersee in 2001 Haushaltungen 4172 männliche und 4417 weibliche Einwohner. Nach den Religionsbekenntnissen verteilen sie sich so: 7327 sind Katholiken, 1193 Protestanten, 23 Israeliten, 21 Reformierte und 25 gehören verschiedenen Religionsgemeinschaften an. Das rasche Wachsen der Einwohnerzahl verlangte auch eine Mehrung des Seelsorgepersonals. Am 1. September 1890 kam Herr Joseph Helmer als 1. Kaplan hierher. Im August 1904 wurde die 2. Kaplaneistelle errichtet. Die Größe der Kirche entspricht schon lange nicht mehr der kath. Seelenzahl. Um ein neues Gotteshaus in absehbarer Zeit zu bekommen wurde 1892 unter Herrn Pfarrer Dirr, welcher 23 Jahre dahier wirkte, durch Gründung des Kirchenbauvereins der Anfang zu einem Kirchenbaufond gemacht. Genannter Verein kaufte unter seinem Vorstande Herrn Pfarrer Anton Schwab, welcher am 30. November 1893 dahier seine Seelsorgertätigkeit begann, das Anwesen Nr. 33 in der Augsburgerstraße und damit wurde auch die Lage der künftigen Kirche bestimmt. Der Grundstein wird wahrscheinlich im nächsten Jahr gelegt.
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    Die Protestenten bauten 1888 in der Jahnstraße [Jakobine-Lauber-Str.] ein Bethaus; in dieses wurde auch die Kinderschule, welche in der Färberstraße Nr. 4 untergebracht war, verlegt. Bald erwiesen sich die Räumlichkeiten zu klein und 1903 wurde das Bethaus bedeutend vergrößert.

    Ein Jahr vorher hatte sich der Bethaus-Verein das Haus Nr. 12 in der Gartenstraße [Sigmundstr.] erworben und in diesem nahm der erste protestantische Vikar - August gleichen Jahres - seinen ständigen Wohnsitz.

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    1806 war die Gesindestube im Pfarrhaus auch Schulzimmer; als dieses zu klein sich zeigte, wurde 1818 im Gottesacker ein eigenes Schulhaus gebaut. 1849 verkaufte die Gemeinde dieses Schulhaus, welches 1862 abgebrochen wurde, und mietete bei Leonhard Kaiser - jetzt Stadtbergerstraße Nr.11 - ein Schullokal. Doch schon 10 Jahre darauf war auch dieses zu klein und die Gemeindeverwaltung wurde vom Landgericht Göggingen aufgefordert, ein Schulhaus anzukaufen oder zu bauen. Da kam denn der Wohltätigkeitssinn des Münchner Stadtbaumeisters Franz Kobinger, geboren zu Pfersee am 10. Dezember 1810, der Gemeinde sehr zu statten. Dieser uneigennützige Mann schenkte der Gemeinde ein neues Schul- und Armenhaus - jetzt Schulstraße Nr. 3 [Fröbelstr.] - mit sechs bezw. acht Schulsälen, 1899 erhielt es einen zweiten Stock. Am 1. Mai 1898 wurde die protestantische Schule mit zwei Lehrkräften eröffnet und im Herbst 1899 wurden die drei unteren Abteilungen der kath. Mädchenklassen den Klosterfrauen v. O. S. Fr. übertragen. Das neue Mädchenschulhaus [Spicherer-Schule] - ein stattlicher Neubau mit zwölf Lehrsälen - ward am 22. Dezember 1904 feierlich eingeweiht. Zur Zeit zählt Pfersee siebzehn katholische und drei protestantische Schulkassen.
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    Die Sorge um die kleinen veranlaßte den sel. Herrn Pfarrer Dirr, eine Kinderbewahranstalt ins Leben zu rufen; 1887 erwarb er das Haus Nr. 2 in der Leitershoferstraße und errichtete daselbst eine Kinderschule. Bald entsprach sie in ihren Räumlichkeiten nicht mehr und am 1. Juli 1897 wurde die neue Kinderschule mit Krippenanstalt in der Elsässerstraße Nr. 2 eröffnet.
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    Aber nicht nur für die Lebenden, sondern auch für die Toten trat Raummangel ein. 1874 wurde der neue Gottesacker [Westfriedhof] angelegt, der 1894 bedeutend vergrößert werden mußte. Der alte Fried- und Kirchhof wurde 1890 abgetragen und so ein freier Platz um die Kirche geschaffen.
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    Nach der Verlegung des Rentamtes von Pfersee nach Göggingen kam das Schloß in den Besitz des Freiherrn von Speth, 1852 in jenen von Baron August von Welden, 1873 kaufte es der Schneider Hüttinger und 1876 Baron von Spruner, dessen Wappen über dem Eingang des Schlosses angebracht ist. Der Schloßgarten in welchem ein kleines Wäldchen stand, war mit einer hohen Mauer umgeben, die von der Stadtbergerstraße Nr. 16 bis zur Ecke der Stadtberger- und Bayerstraße [Bgm.-Bohl-Str.] und von da bis Schulstraße Nr. 2 [Fröbelstr.] führte. 1882 erwarb die Gemeinde das Schloß und den etwas verkleinerten Garten um 44000 Mk. und bestimmte dasselbe zum Kranken- und Armenhaus. Am 4. Oktober begannen die barmherzigen Schwestern ihren Sameriterdienst. Seit Juni 1905 sind weitere drei Schwestern in der ambulanten Krankenpflege tätig. (Wohnung Lothringerstraße Nr. 3
    [Bebo-Wager-Str.].)
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    Nachdem die Gemeinde das Schloß erworben und die Armen dort untergebracht hatte, wurden im Erdgeschoß des sogenannten Kobinger Hauses zwei Lehrerwohnungen eingebaut. Dadurch wurde der südwestliche Teil des neuen Schulhauses Schulstraße Nr.3 [Fröbelstr.] frei. In diesen verlegte Johann Pürner, welcher von 1870 bis 1893 incl. Bürgermeister war, die Gemeindekanzlei. Als aber diese Räumlichkeiten zur Erweiterung der Schulsäle verwendet werden mußten, wurde die Kanzlei in den ersten Stock Südseite des alten Schulhauses transferiert. Unter Bürgermeister Johann Lutz, der seit 1894 Vorstand der Gemeinde ist, kam im Mai 1895 die Gemeindekanzlei im Standesamt in das dem katholischen Kirchenbauverein gehörige Haus-Nr. 33 Augsburgerstraße.
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    In den letzten 25 Jahren hat Pfersee auch in anderer Weise große Umgestaltungen erfahren. Durch die Erweiterung der Straßen und Rinnenanlagen in denselben, durch die Pflasterung der Augsburgerstraße 1898-1899, durch die Einführung der Straßenbahn und Straßenbeleuchtung, durch eine große Zahl stattlicher Neubauten hat das Dorf einen städtischen Anstrich erhalten. Hier sollen genannte Neuerungen in ihrer chronologischen Reihenfolge noch genauer erwähnt werden. 1878 erbaute man an der Wertachbrücke ein Zollhaus, welches im heurigen Frühjahr abgebrochen wurde. 1888 erhielt Pfersee ein eigenes Feuerhaus und 1891 ein stattliches Postgebäude und bald darauf eine Telegraphenstation und öffentliche Telephonleitung. Im November 1881 wurde Pfersee durch die Pferdebahn mit Augsburg verbunden, an deren Stelle trat die elektrische Straßenbahn, welche am 23. August 1898 eröffnet wurde. 1894 kam Pfersee durch die Gürtel- bezw. Lokalbahn nach Göggingen an den großen Schienenverkehr und erhielt durch die Eisenbahnbrücke über die Wertach den längstgewünschten Verbindungsweg nach Göggingen.
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    Am 27. April 1898 beschloß die Gemeinde die Einführung der elektrischen Beleuchtung. AM 1. Dezember 1899 erhellten die ersten elektrischen Lampen die Ortsstraßen, den Strom lieferte das Elektrizitätswerk Göggingen, welches am 19. Dezember 1902 abbrannte. Pfersee war nun wieder einige Zeit ohne Beleuchtung. Am 18. März 1903 traten wieder alle Lampen in Funktion. Seit November genannten Jahres liefert das Lech-Elektrizitätswerk den nötigen Strom. Die Straßenbeleuchtung zählt z.Zt. 33 Bogen- und 45 Glühlampen.

    Am 1. Januar 1899 wurde die Gandarmeriestation errichtet.

    Von 1900 an herrscht hier eine große Bautätigkeit, besonders in der Augsburger-, Gollwitzer-, Sedan-[Leonhard-Hausmann-], Weißenburger- und Wörthstraße [zu L.-Hausmann-Str.] entstanden ganze Häuserreihen, so daß innerhalb von fünf Jahren die Häuserzahl von 449 auf 513 stieg.

    Seit 1904 wirken dahier vier praktische Ärzte.

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    Die Baur'sche Apotheke [Augsburger Str. 27] wurde im März 1905 geschlossen; dagegen eröffnete Apotheker Stummer die St. Michaelsapotheke in gemieteten Lokalitäten bis zur Fertigstellung seines Neubaues, Augsburgerstraße 20 [neue Hs-Nr.12], der in heimischer Bauart ("Bodenständige Bauweise") eine besondere Zierde der Hauptstraße bildet.

    Zu gleicher Zeit entstanden die Medizinal- [Augsburger Str. 27 alte Hs-Nr.35]und Bavaria-Drogerie. [Augsburger Str. alte Hs-Nr.37 1/2]

    Durch den Saalbau "Drei König" [Augsburger Str. 37, alte Hs-Nr.40; erstes viergeschossiges Haus an der Augsburger Str.] erhielt Pfersee 1905 ein zeitgemäßes Lokal, um größere festliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumlichkeiten abhalten zu können. - An der Mozartstraße [Lutzstr.] entsteht gegenwärtig eine neue Turnhalle.
    Durch die Eisenbahn-Unterführung wird im kommenden Jahre Pfersee noch inniger mit der Kreishauptstadt verbunden und dadurch der industrielle Aufschwung des stattlichen Dorfes noch mehr gefördert.

    Möge aber mit der geschäftlichen Hebung stets auch die sittliche gleichen Schritt halten! Das ist der sehnlichste Wunsch des Chronisten.

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