Version vom Dienstag, 31. August 1999
Beobachtungen vieler Augenzeugen,
zusammengestellt von
Christine Kamm, Luitpoldstraße
26, 86157 Augsburg, Tel.:541573, Fax 541946.
Ich bin nach wie vor an
weiteren Ergänzungen interessiert.
Vorwort
Noch am 26.5.99 berichtete
die Augsburger Allgemeine, daß der Oberbürgermeister angekündigt
habe, daß minutiös dokumentiert werden solle, daß alles
Notwendige veranlaßt worden sei.
Heute, über 3 Monate
später, warten wir immer noch auf einen solchen Bericht.
Einige Bürger stellten
Strafanzeige, andere klagen auf Schadensersatz. Schadensersatzansprüche
erfordern einen genauen Schadensnachweis sowie einen Nachweis, daß
der Schaden aufgrund einer Verletzung der Amtspflicht entstanden ist, führte
Dr. Birkl, häufig im Auftrag von Kommunen tätiger Fachanwalt
für Verwaltungsrecht, bereits in der Versammlung des Haus- und Grundstücksbesitzervereins
am 1. Juni 1999 aus. Bei Schäden dieser Größenordnung müsse
von einer Beweislastumkehr ausgegangen werden, so Dr. Birkl weiter. Bei
Klagen von Bürgern auf Schadensersatz ist also die Verwaltungsspitze
gefordert, lückenlos darzulegen, alles Notwendige veranlaßt
zu haben. Was aber ist von einer Stadtspitze zu halten, die erst durch
Bürgerklagen gezwungen werden muß, einen vollständigen
und aussagefähigen Bericht zu den Pfingst-Geschehnissen zu geben?
Warum bekommen die Bürgerinnen
und Bürger dieser Stadt, die zum Teil erheblich geschädigt wurden,
einen solchen Bericht nicht von selbst? Haben nicht alle Bürgerinnen
und Bürger ein Recht zu erfahren, wie der Katastrophenschutz dieser
Stadt im Ernstfall funktioniert?
Den Stadträten geht´s nicht besser. Der für die Stadtratssitzung vom 17.6. angekündigte Bericht war keiner, sondern ein Diavortrag mit der Schilderung verschiedener Details und Episoden. Auf viele wichtige Fragen wurden keine Antworten gegeben, manches wurde falsch dargestellt. Meine schriftlichen Anfragen an den OB blieben bislang unbeantwortet. Eine Einsichtnahme in die Protokolle der Einsatzleitung blieb mir verwehrt – mit der Begründung, daß sich auch die Staatsanwaltschaft hierfür interessiere und man sich selbst nicht belasten wolle!
Wenn Herr Reisser wegen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen meint, öffentlich nicht mehr Stellung beziehen zu können, muß er sich für die Zeit der Ermittlungen von den betreffenden Zuständigkeiten beurlauben lassen!! Sehr spät, erst am 16. Juli 99 zieht der Oberbürgermeister aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit und der Opposition die notwendige Konsequenz und kündigt an, in der Stadtratssitzung vom 22.7. vorzuschlagen, ihn für den Zeitraum der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen die Zuständigkeit für den Brand- und Katastrophenschutz zu entziehen.
Wenig aufschlußreiches
präsentierte die Stadtspitze auch in der Bürgerversammlung vom
28. Juni. Exakte Zeitangaben wurden generell vermieden. Viele Fragesteller
kamen in der Bürgerversammlung nicht zu Wort, es wurde nicht einmal
über alle gestellten Anträge abgestimmt.
Die jetzt vorliegende Chronologie
basiert daher bisher auf Augenzeugenberichten Betroffener, Angehöriger
der Hilfsdienste und der Berichterstattung in den Medien. Einzelne Details
dieser Berichte konnten nicht überprüft werden. Dennoch bietet
die Chronologie ein erschreckendes Bild katastrophalen Verwaltungsversagens.
Diese Chronologie kann den geforderten Bericht nicht ersetzen. Sie soll
aber dazu beitragen, daß alle offenen Fragen endlich beantwortet
werden.
(Noch zu klärende
Fragen werden kursiv hervorgehoben.)
Vor-Geschichte
Im Jahre 16 nach Christi Geburt riß ein Wertach-Hochwasser ein römisches Heerlager nahe der Hettenbach-Mündung mit sich und begrub das Lagergelände unter meterhohen Kiesschichten. 1501 und 1588 durchströmten Lech und Wertach die Dörfer Lechhausen, Pfersee und Oberhausen. Doch auch die anschließend gebauten Wehre und Schleusen konnten weitere Hochwasser nicht verhindern: 1764 floß die Wertach wieder durch Pfersee, 1789, 1809, 1839, 1840, 1843 mußten Beschädigungen an Wehren und Dämmen aufgrund von Hochwasserereignissen behoben werden. 1884 wurde ein erster Wehrbau an der Stelle des Ackermann-Wehres errichtet.
1965 gab es ein Hochwasser,
das Pfersee bis zur Gaststätte Kuckuck unter Wasser setzte, vorher
ein größeres 1932. Laut Ortschronik war das schlimmste
Wertach-Hochwasser im August 1855.
Die Ursache des Hochwassers
`65: Angeschwemmte Baumstämme sammelten sich unter der Wellenburger
Brücke, die Wertach staute sich auf, umging den Pfropfen und floß
über die Dämme, die Dämme wurden beschädigt. Außerdem
floß sie durch einen Kanal, durch den der Wiesenbach normalerweise
sich in die Wertach entwässert, in die Wertachauen bei der Wellenburger
Allee. Die Wertach setzte Pfersee unter Wasser. Damalige Wassermenge
der Wertach : 450 m³/sec laut Augsburger Rundschau vom 12.6.65.
Beim 65er Hochwasser gab
es das Stauwehr Inningen bei Bobingen und die daraus folgende enorme Eintiefung
der Wertach noch nicht. Damals wurden die Wertachauen und Teile der angrenzenden
landwirtschaftlichen Flächen südlich des Sportplatzes Inningen
überschwemmt, der Sportplatz Inningen stand fast 2 Meter unter Wasser.
(Augsburger Rundschau, 12.6.65). Beim 99er Hochwasser wurden die Wertachauen
südlich des Inninger Sportplatzes überhaupt nicht überschwemmt.
Der Mittelpfeiler der Wertachbrücke
in Großaitingen wurde `65 von den Wassermassen ausein-andergerissen.
Damals hatte die Wellenburger Brücke noch Mittelpfeiler, an dem sich
das Holz sammelte und aufstaute. Nach dem Hochwasser wurde diese Brücke
ohne Mittelpfeiler erneuert.
Damals war das Hochwasser im Juni. Die gefährlichsten Hochwassermonate der Wertach sind Juni und Juli. Das 1855er Hochwasser war im August.
Früher wenig Verständnis für Urlaubsfahrten von Verantwortlichen während der Katastrophe
1910 wurde das alte Hochablaßwehr bei einem Lechhochwasser weitgehend zerstört. Der damals 58jährige Stadtbaurat Fritz Steinhäuser, der in seiner 19jährigen Amtszeit deutliche Spuren in Augsburgs Stadtbild hinterlassen hatte – Bismarckbrücke, altes Stadtbad, Verwaltungsgebäude, Stadtbibliothek – fuhr nach der Hochwasserkatastrophe unbeirrt in Kur, statt sich um die Schä-den zu kümmern – und wurde von den damaligen Gemeindebevollmächtigten umgehend vorzei-tig in den Ruhestand geschickt. (AZ 10.7.99)
Wohin fließt das Wertach-Hochwasser?
Das Wasser, das `65 über die Ufer trat, folgte wie frühere Hochwasser im wesentlichen dem Verlauf des ehemaligen Brunnenbachs, wie auch das 99er Hochwasser wieder. Es floß durch den Wasenmeisterweg und über die tiefst gelegene Stelle der B17 etwa beim Bolzplatz sowie durch die beiden Unterführungen Wasenmeisterweg und Radweg entlang der Wertach. Wieso haben die Verantwortlichen diesmal nicht wissen können, wohin das Wasser fließt, wie Herr Grimm von der Feuerwehr meint? Gibt es keine Landkarte mit Höhenlinien? Warum hatte die Ein-satzleitung keine Kenntnisse darüber, wohin das Wasser fließen wird?
Das Ackermann-Wehr
Nach der 65er Katastrophe
wurde die Wellenburger Brücke höher gelegt, das Ackermann-Wehr
aber nicht modernisiert. Nach dem 65er Hochwasser soll im Ackermannwehr
eine Sprengkam-mer eingebaut worden sein, berichtete ein ehemaliges Mitglied
der Ackermann-Werksfeuerwehr. Die Pfingsten agierenden Katastrophenschützer
hatten keine Kenntnis von dieser Sprengkam-mer.
In den letzten Jahren soll
das Wehr nicht mehr im bisherigen Umfang gewartet worden sein. Das Haus,
in dem der Wehrmeister früher wohnte, stand zum Verkauf : „Traumgrundstück.“
Die Mechanik soll nur noch schlecht beweglich gewesen sein.
Interessant hierzu das Ergebnis
einer GRÜNEN Landtagsanfrage: Weder der Stadt Augsburg noch dem
Freistaat ist bekannt, wann das Wehr das letzte Mal auf den Stand der Technik
nachgerüstet wurde!
Die Stadt Augsburg ist im
übertragenen Wirkungskreis als Wasserrechtsbehörde für die
Geneh-migung der Anlage zuständig. Die Gewässeraufsicht liegt
ebenfalls bei der Stadt, die technische Gewässeraufsicht beim Wasserwirtschaftsamt
Donauwörth.
Die Anlagenbetreiber waren
nach einem Beschluß des Königlichen Bezirksamts Augsburg vom
7. September 1883 und einem folgenden Beschluß vom 10. April 1913
desselben Amtes ver-pflichtet, die Anlage stets in einem „guten baulichen
und betriebsfertigen Zustand“ zu halten.
Kam der Betreiber
Ackermann dieser Verpflichtung nach? Kontrollierte die Stadt, ob das Wehr
ordnungsgemäß gewartet und überholt wurde? Hat die Stadt
in den letzten Jahren vom Betreiber eine Nachrüstung des Wehres gefordert?
Wie reagierte der Betreiber auf solche Forderungen? Wie verlieh die Stadt
solchen Forderungen Nachdruck?
Interessant ist, daß die Staatsregierung auf die GRÜNEN-Anfrage, ob das Wehr ordnungsgemäß gewartet worden ist, und ob eine technische Überholung des Wehres schon eingeplant worden ist, die Antwort mit Verweis auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen verweigert.
Das bayerische Staatsministerium
für Landesentwicklung und Umweltfragen antwortet auf die Frage, ob
ein Wehr dieser Bauart, bei dem der bewegliche Schutz nur über die
Wasseroberfläche unzulänglich nach oben gezogen werden kann,
heute noch genehmigungsfähig wäre, wie folgt: “Sofern jederzeit
der Hochwasserabfluß sowie bei Hochwasser die einwandfreie Funktion
der Anlage sichergestellt werden kann, ist eine Genehmigung derartiger
Wehranlagen unter be-stimmten Bedingungen und Auflagen nicht ausgeschlossen.“
Im Klartext: Heute wäre
eine solche Anlage nicht genehmigungsfähig. Unverständlich ist,
war-um neben einer solchen bekannterweise gefahrenträchtigen
Wehranlage nicht wenigstens geeig-nete Aufstellflächen für Ziehbagger
präpariert worden waren, um im Ernstfall von dort aus unter möglichst
optimalen Bedingungen eine Verklausung beseitigen zu können.
Am 1.Juni stand in der AZ zu lesen, daß OB Menacher auf die komplizierten Eigentumsverhält-nisse beim Ackermann-Wehr verwies und offenbar auch über eine Woche nach dem Unfall nicht wußte, wer Besitzer dieses Wehres ist. Wie konnte die Stadt, die angeblich den Eigentümer des Wehrs nicht kennt, in geeigneter Art und Weise ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen?
Angeblich soll die Stadt aber doch in den letzten Jahren mehrfach eine bauliche Verbesserung des Ackermann-Wehres gefordert haben – offensichtlich ohne Folgen. Warum hat sich die Stadt mit dem unzureichenden Status quo zufrieden gegeben?
In der Bürgerversammlung am 28.6. teilte der OB mit, daß die Unterhaltspflicht für das Acker-mann-Wehr auf alle Fälle bei Ackermann gelegen habe, auch wenn die Besitzverhältnisse nicht geklärt wären.
Im Zweifel haften beide gesamtschuldnerisch, die Stadt und der Betreiber. Beim Gewässerunter-halt ist der Unterhaltspflichtige der Freistaat, und die Stadt als Aufsichtspflichtige.
Der Bauunterhalt am Fluß und die Wertachverbauung mit Stauseen
Beim Gewässerunterhalt hat das Land Stellen eingespart: Im Wasserwirtschaftsamt müssen 40 Mitarbeiter jetzt 1100 Flußkilometer betreuen. Bei dem Hochwasser Pfingstsamstag brachen meterbreite Uferstreifen von mehreren hundert Meter Länge mit sämtlichem Bewuchs zwischen dem Inninger Wehr und der Bergheimer/Inninger Brücke ab. Unterhalb der Inninger Brücke sind die Auwälder teilweise überflutet worden und die Uferzerstörungen durch das Hochwasser ge-ring. Inwieweit der Unterhalt und die Pflege der Uferstreifen mit der erforderlichen Sorgfalt er-folgte und der Zustand der Ufer den Anforderungen entsprach, muß noch geklärt werden. Innin-ger Bürger klagten schriftlich schon im Februar über unterspülte riesige Wurzelstöcke am Ufer bei Flußkilometer 13. Allerdings können Wurzeln und Bäume auch die Uferböschung stabilisie-ren. Wer die Situation vom Inninger Stauwehr flußabwärts vor und nach der Überschwem-mungskatastrophe kennt, kann unschwer feststellen, daß dieses Steilufer mit oder ohne Bäume einer solchen Belastung nicht gewachsen war – es war kein Problem der Bäume, sondern des falschen und viel zu engen und hohen Flußquerschnitts.
Besonders auffällig
sind die enormen Uferzerstörungen unterhalb des Inninger Wehres bei
Bo-bingen. Zum einen wird das Wehr schon seit langem mit hohem Schwellbetrieb
gefahren, der das Ufer stark angreift. Weiter mußten bei diesem Hochwasser
alle Klappen am Wehr geöffnet werden. Das Wasser, das bei Hochwasser
ohnehin schon eine mehrfach erhöhte Geschwindigkeit aufweist, schoß
mehrere Meter in die Tiefe und beschleunigte sich dadurch weiter. Vor allem
an der ersten leichten Krümmung nach dieser Beschleunigung am Wehr
zeigen sich daher die mas-sivsten Uferzerstörungen.
Wurde das Wasser am
Bobinger Wehr bei Inningen zu schnell abgelassen?
War die Wehranlage
zweckdienlich konzipiert? Führte sie nicht zu einer weiteren Eintiefung
der Wertach? Warum war das Tos-Becken viel zu klein konzipiert?
Ein großes Problem
ist die massiv fortschreitende Eintiefung der begradigten Wertach. Wenn
ein Fluß sich bei gegebener Flußbettbreite einige Meter weiter
eintieft, wird zwangsläufig das Ufer steiler – und instabiler. Ein
wichtiger Beitrag zur zukünftigen Hochwassersicherheit Pfersees muß
mit dem Projekt Wertach Vital umgesetzt werden: Ein breiteres Flußbett
und Auwälder, die wieder überflutet werden können, sind
ein wichtiger Beitrag zur Hochwassersicherheit Pfersees. Gegen Überflutung
– wie sie offenbar bei einem Gebirgsfluß wie der Wertach immer wieder
kommen wird, hilft nur die Flutung von Flächen. Diese Flächen
sollten Auwälder, eventuell auch landwirtschaftliche Flächen
sein, auf keinen Fall aber nochmals Pfersee, Göggingen und die Uhlandwiese.
Nicht das ganze Holz am Ackermannwehr, das sich nach Augenzeugen meterhoch aufgetürmt hat, kam aus dem Bereich bis zum Inninger Wehr bei Bobingen. Viel war auch im Stausee und wurde über die dortige Vorrichtung flußabwärts gedriftet. Große Holzmengen kamen also auch von südlich der Staustufe bei Bobingen bis Hiltenfingen. Die anderen Wehre oberhalb sind holz-gängig, nur das Ackermann-Wehr war es nicht.
Die Wetterprognosen, die Regenfälle und die Hoch-Wasserstände der Wertach
Die Regionalzentrale München des bayerischen Wetterdienstes hat am Donnerstag vor Pfingsten vor extrem starken Niederschlägen gewarnt. Am Freitagmorgen sei die erste Warnung vor ex-trem starken Niederschlägen durch eine Unwetterwarnung für Südbayern mit dem Schwerpunkt Schwaben und Oberbayern aufgestockt worden und vor örtlich mit bis zu 150 l Niederschlag pro m² gewarnt worden.
Das Innenministerium sendet
am Freitagnachmittag ein FAX an die Stadt Augsburg, in dem mit-geteilt
wird, daß extremes Hochwasser zu erwarten ist. Welche Konsequenzen
zog man in Augsburg aus diesem FAX, an wen wurde es weitergeleitet?
Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat am Freitag vormittag die betroffenen Kreis-verwaltungsbehörden – also auch Augsburg – am Freitag vormittag auf erhöhte Wasser-standspegel für Lech und Wertach hingewiesen und die Einrichtung von Katastrophen-schutzstäben empfohlen. Dieser Empfehlung folgte die Stadt Augsburg nicht!
Hätten sie frühzeitig
dieser Empfehlung Folge geleistet, hätten viele der Fehler des folgegen
Ta-ges vermieden werden können.
Die Hochwasserwarnzentrale im Münchner Landesamt für Wasserwirtschaft teilte schon am Donnerstag vor Pfingsten (20.5.) mit, daß am Freitag starke Regenfälle bevorstehen. Informiert wurden die Wasserwirtschaftsämter und die Regierungen. Laut Vorhersage des Wetterdienstes sollten 100 l Regen pro m² fallen. Daß es eine entsprechende Vorwarnung gab, bestätigt auch Herr Wolfgang Schilling, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth. Örtlich sollen dann bis zu 280 l gefallen sein. (AZ, 11.6.) Bis heute hat aber das Wasserwirtschaftsamt die Orte, an de-nen solch hohe Niederschlagsmengen gefallen sein sollen, nicht genannt.
Schilling spricht von einem starken Anstieg des Wertach-Pegels bei Oberhausen:
Freitag, 14.00 h
1,81 m
19.00 h 2,74 m
Mitternacht 3,79 m
Am Pegel Augsburg/Oberhausen der Wertach wurden folgende max. Abflüsse ermittelt: (Ergebnisse der Landtagsabfrage)
21. Mai 1999 gegen
24.00 h bei einem Wasserstand von 371 cm etwa 261 m³/s
22. Mai 1999 gegen
16.40 h bei einem Wasserstand von 512 cm etwa 431 m³/s
23. Mai 1999 gegen
5.20 h bei einem Wasserstand von 505 cm etwa 423 m³/s
Diese Werte müssen wie nach jedem Hochwasser noch durch aktuelle Querschnittsaufnahmen des Gewässerprofils überprüft werden.
Zum Vergleich: Weitere große Hochwasser an der Wertach waren zwischen dem 10. und 13. Juni 65 und dem 10. Und 12. August 1970 aufgetreten. Damals war der Pegel in Oberhausen noch nicht mit einem Datenschreiber ausgerüstet. Am nächst gelegenen Pegel in Türkheim wur-den folgende Maximalabflüsse gemessen:
11. Juni 65
292 m³/s
10. August 1970 319
m³/s
22. Mai 99
368 m³/s
So einen extrem schnellen Ansteig wie Pfingsten `99 habe es laut Wasserwirtschaftsamt weder beim Hochwasser `65 noch beim Hochwasser 1970 gegeben.
Allein die Warnung der Wetterdienste, daß 100 l Niederschlag für den Pfingstsamstag angekün-digt waren, hätte ausreichen müssen, daß bei allen Experten die Alarmglocken läuten, insbeson-dere, da es sich um Frontalniederschläge im gesamten Alpenvorland handeln sollte. Großflächige Tagesniederschläge von mehr als 100 l sind sehr selten.
Ein Geograph meint dazu: „Um das Verschlafen dieser Warnung zu tarnen, wird nun versucht, mit wesentlich höheren Zahlen das Ausmaß der Katastrophe heraufzuspielen und Nieder-schlagswerte von bis 300 l zu nennen.
In Wirklichkeit waren die Niederschlagswerte von 7.00 h bis 7.00 h des folgenden Tages
Augsburg Kempten
21.5.99
22 mm 11 mm
22.5.99
61 mm 66 mm
23.5.99
7 mm 14 mm
Maximalwerte wurden am 22.5. in Oberstdorf mit 100 mm und Hohenpeißenberg 139 mm er-reicht.
Schilling sagte weiter:“ Selbst beim höchsten Pegel lag die Wertach 1 m unter der Meldestufe 4, die größere Überschwemmungen im Stadtgebiet erwarten läßt. „Die Ursache für die Über-schwemmung war nicht das Hochwasser, sondern der nicht beseitigte oder verhinderte Holzstau am Ackermann-Wehr, der zu Dammbruch und Wehrbruch führte.“
Freitag Mittag: Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth ordnet für alle Mitarbeiter Dienstbe-reitschaft an. (Urlaubssperre!)
Wann nahmen Augsburger
Verantwortliche diesen dramatischen Hochwasseranstieg zur Kenntnis? Welche
Folgerungen wurden wann daraus gezogen? Wurde aus den Niederschlä-gen
eine Hochwasserwarnung vorsorglich abgeleitet?
Welche Aufgaben hat
die Stadt als Hochwassermeldestelle?
Warum hat der schnelle Anstieg des Hochwassers bei Augsburgs Katastrophenschützern nicht dazu geführt, daß erste Aktivitäten und vorbereitende Maßnahmen eingeleitet wurden? War-um wurde kein Katastrophenschutzstab eingerichtet?
Um 14.00 h wurde im Allgäu
Katastrophenalarm ausgelöst.
Am Grüntensee soll
Wasser wegen Überflutung abgelassen worden sein. Welche Konsequenzen
zog man aus dem Wetterbericht und aus diesen Ereignissen im Allgäu
in Augsburg? Warum wurde nicht wenigstens ab 14.00 h ein Krisenstab eingerichtet?
Stauseemanagement
Ein Beobachter sieht auch eine Schuld an der Katastrophe bei den Betreibern der Staustufe In-ningen bei Bobingen (Bayr. Elekrizitätswerke). Zum einen wurde versäumt, durch vorzeitiges Ablassen des Wassers Reservekapazität zu schaffen, zum anderen soll seiner Beobachtung nach eine enorme Wassermenge innerhalb sehr kurzer Zeit aus dem Stausee abgelassen worden sein. Dadurch sei der Flußpegel unterhalb der Stauanlage um 3-4 m angestiegen. Dazu kommt, daß die Uferböschung im Kurvenbereich für diese Strömungsverhältnisse unzureichend befestigt war und aufgrund der fortschreitenden Eintiefung der Wertach zu steil war. Am Wellenburger Wehr kann nur das Wasser ankommen, das vorher in Bobingen aus dem Stausee lief. Wurde durch ein Stauseemanagement versucht, extreme Pegelstände zu verhindern?
Der Grüntensee hat an der Wertach das mit Abstand größte Speichervolumen. Der Wasserstand im Grüntensee soll am Samstag abgesenkt worden sein. Wie wurde durch Stauseemanagement versucht, Hochwasserspitzen zu vermeiden? Gab es gar Versuche, in dieser krisenhaften Hoch-wassersituation durch plötzliches Ablassen von Wasser Geschiebe aus den Stauseen zu spülen?
Hierzu antwortet Staatssekretärin Stewens auf eine GRÜNE Landtagsanfrage: „Die Flußkraft-werke in der Wertach sind aufgrund der relativ kleinen Stauräume weder baulich noch betrieb-lich in der Lage, ablaufende Hochwasser nennenswert zurückzuhalten. Im Grüntensee am Ober-lauf der Wertach können dagegen Hochwasser in größerem Umfang zurückgehalten und damit Abflußspitzen verringert werden. Dies ist erfolgt.“
Zu prüfen bliebe dennoch, wo an der Wertach und ihren Zuflüssen – zum Beispiel auch an den Zuflüssen zum Grüntensee und am gesamten Flußlauf der Wertach – wieder Überschwem-mungs- und Stauräume geschaffen werden können und wo durch Flußverbauungen in den letzten Jahrzehnten der Regenwasserabfluß beschleunigt worden ist.
Die Geschehnisse am Pfingstsamstag in Augsburg
Oder: Warum reichte ein Hochwasser der Meldestufe 3, um 20.000 Einwohner in Göggingen und Pfersee unter Wasser zu setzen und Schäden weit über 200 Millionen DM zu verursachen?
Trotz des Hochwassers der
Wertach las man in der AZ am Samstag, den 22.5.99: Keine Sorge bereitet
derzeit die Wertach den Experten: „Der Pegelstand beträgt derzeit
1,7 m, die Hochwas-sergrenze liegt bei 2, 5 m rechnet Rutte vor. Weil die
Wertach nicht im Hochgebirge entspringt und deshalb kein Schmelzwasser
mehr mitführt, steigt der Pegel nicht so stark an.“
Wie man an den Pegelständen
der Wertach sehen kann, ist der Pegel am Freitag mittag noch niedrig. Allerdings
berücksichtigt diese Aussagen nicht die zu diesem Zeitpunkt bekannten
Wetterprognosen. Zudem stieg zwischen Freitagmittag und Samstag mittag
der Pegelstand der Wertach dramatisch an. Die Wertach erreichte Samstag
mittags ihre Spitze. Welche Schlußfolge-rungen zogen die Verantwortlichen
aus dem dramatischen Anstieg der Wertach bis Samstag vormittags? Hätte
man nicht zumindest samstags vormittags die Bevölkerung vorsorglich
warnen müssen, und sie von dann an regelmäßig weiter informieren
und sich auf Rettungsar-beiten vorbereiten müssen?
Schon Samstag vormittag umspült das Hochwasser das Ackermann-Wehr
Sa., 9.45 h Wasser hat das Wehr bereits umspült. Das Wasser steht ca ½ m unter dem Damm-krone.
Augsburgs Lokalradios senden noch am Samstag ein Interview mit Feuerwehrchef und Katastro-pheneinsatzleiter Habermaier, in dem er verkündet, daß er 3000 (!!) Sandsäcke und die Lage an der Wertach im Griff habe.
Hilfsdienste werden nicht eingebunden
Verwundert zeigte sich Herr
Erhardt von der Wasserwacht, (AZ,11.6.), weil trotz drohender Fluten am
Pfingstsamstag noch kein Krisenstab der Stadt eingerichtet war. Auf eigene
Regie entschloß sich die Wasserwacht schließlich zum Handeln,
als auch an der Wellenburger Straße gegen 21.15 rund 20 angebotene
Helfer zur Dammsicherung nicht in Anspruch genommen wor-den seien. Selbst
nach dem Katastrophenalarm gegen 2.10 sind Wasserwacht, Rotes Kreuz und
Malteser Hilfsdienst nicht in das Krisenmanagement eingebunden worden.
Während des Samstags
sind verschiedene Abteilungen von Rettungsdiensten aus Augsburg nach Kempten
und auch nach Donauwörth beordert worden und mit dem Hubschrauber
zu diversen Einsätzen geflogen worden. Hier in Augsburg bestand für
sie offenbar kein Bedarf ...
Am Samstag bietet auch das THW Hilfe zur Beseitigung der Verklausung an, auch diese Hilfe wird nicht angenommen.
15.00 h: Am Pfingstsamstag
nachmittag um 15.00 h ist die Wertach ungefähr 10-20 cm niedriger
als der Damm am östlichen Gögginger Wäldle. Sie fließt
etwas über das Geländer des Gögginger Wehres hinweg.
Wurzelstöcke und Holz
sammeln sich bereits am Wehr. Als Passant konnte man beobachten, wie das
Holz bereits um 15.00 h (Photos) für einen Aufstau des Wassers oberhalb
des Wehres sorgte.
Daß sich am Ackermann-Wehr Holz bei Hochwasser ansammeln wird, war vorhersehbar. In bewaldeten Einzugsgebieten gibt es bei Hochwasser immer Treibholz, auch bei gepflegten Ufer-böschungen.Der Rhein und andere Zuflüsse haben z. Bsp. 1000 Kubikmeter Holz in den Boden-see gespült.
Trotzdem wurde versäumt, rechtzeitig geeignete Vorkehrungen für die Beseitigung des Holz-staus zu treffen.
3 Wochen später stehen
sowohl am Wellenburger Wehr als auch am Lokalbahnsteg Seilbagger, die im
Ernstfall Baumstämme aus dem Fluß herausziehen können,
damit sie Wehre oder Brük-ken nicht verstopfen. Am Pfingstsamstag
fehlten diese großen Bagger. Angeblich soll ein geeig-neter
großer Bagger in Schwaben am Samstag angefordert worden sein, aber
nicht zum Einsatz gekommen sein. Warum nicht? Wurden solche Bagger oder
anderes geeignetes Gerät ange-fordert? Bei wem?
Warum wurden nicht
Greifbagger an der Wellenburger Brücke und an der Inninger Brücke
positioniert?
Die Abbruchfirma Luff hatte
geeignete Bagger bereit, die innerhalb von 2 Stunden an Ort und Stelle
hätten gebracht werden können. Warum waren diese nicht
da?
Außerdem hätten
Bergepanzer der Bundeswehr des Holzstau beseitigen können, wenn man
sie angefordert hätte.
Mit dem entstehenden seitlichen Wasserdruck eines Stausees, der zudem am Wehr durch Kehr-wasser und Strudel den Damm angreift, kann ein Damm nicht lange halten! Das Problem war nicht der Damm selbst, sondern der seitliche extreme Druckaufbau am verklausten Gerinnequer-schnitt.
Die Dämme an der
Wertach sind nicht als Staudämme ausgelegt, die großen Wasserdrük-ken
standhalten können, sondern als Abflußdämme, die dem Wasser
seine Fließrichtung vorgeben.
Warum erkannten die
Verantwortlichen nicht die Gefahr, die aus dem Stau vor dem Wehr für
die Dämme entstand?
Auch an der Goggelesbrücke
drohte laut Augenzeugen schon Holzstau. Manfred Fitz kann nicht nachvollziehen,
warum nicht schon am Samstag ein Seilbagger installiert wurde, der Holz
aus der Wertach fischen kann.
Auch am Pfingst-Sonntag
konnte man einen beachtlichen Holzstau in der Mitte vor der Gogge-lesbrücke
beobachten. Der am Sonntag dort positionierte Seilzugbagger zieht einen
Stamm nach dem anderen heraus, während immer neue hinzukamen.
Sa., 16.00 Die Wertach begann
im Bereich der Wellenburger Allee über die Ufer zu treten. Sie steht
auf der Höhe des Wehres knapp unter der Krone. (1 cm)
Um 16.30 h war niemand
vor Ort, der Entscheidungen treffen konnte: Frau Eser sucht den Ein-satzleiter
Günter und frägt, ob sie Sand liefern soll. Dieser muß
erst mit einer übergeordneten Stelle telefonieren.
Laut AZ soll Herr Reisser
um 16.00 h alarmiert worden sein. Um 16.30 kam ein erster Kleinla-ster
mit Sandsäcken, später kamen weitere.
Sa., 16:00 Anruf des Bürgers Dr. T. R. bei der Feuerwehr: „Besteht Gefahr?“ Antwort: „Nein!“
Mit unzulänglichen Mitteln (Besenstiele mit Hacken) und unter Lebensgefahr versuchen Feuer-wehrleute, Holzstämme durch das Ackermannwehr durchzubugsieren oder zu zersägen. Doch die Holzstämme hätten nur mit schwerem Gerät geborgen werden können. Statt dessen setzte die Feuerwehr eine Lastwagenwinde mit einer viel zu geringen Zuglast ein. Dieser Versuch mußte scheitern. Aufgrund von immer mehr Treibholz wurde um 16.04 Herr Reisser und Herr Gesler informiert und eine örtliche Einsatzleitung gebildet. Doch auch diese hat nicht versucht, schwe-res Bergegerät herbeizuschaffen. Es wurde nicht ernsthaft versucht, den Dammbruch zu vermei-den.
Die Sprengung des Wehres soll sehr bald darauf von Vertretern der freiwilligen Feuerwehren gefordert worden sein, aber der herbeigeeilte Reisser soll sich dazu nicht entschließen haben können. Herr Reisser soll die Nicht-Sprengung des Wehres damit begründet haben, daß er kein Geld habe, ein neues aufzubauen.
Wann wurde versucht
Unterstützung der Hilfskräfte (Rotes Kreuz, Wasserwacht, DLRG,
Be-reitschaftspolizei, THW) zu bekommen? Wann wurde versucht, geeignetes
technisches Gerät herbeizuschaffen?
Zu welchem Zeitpunkt
wurde Voralarm ausgelöst?
Gab es ein Worst-Case-Szenario?
Gab es einen Vorsorgeplan
für Hochwasser-Katastrophen? Hat es Katastropenschutzübungen
für Hochwasserkatastrophen gegeben? Welche Vorkehrungen traf das Amt
für Brand- und Katastrophenschutz für die nicht unbekannten Hochwassergefahren
an Lech und Wertach? Ist es üblich, nur 3000 Sandsäcke vorrätig
zu halten?
Wann wurden welche
konkreten Maßnahmen erwogen, das Wehr einzureißen oder zu spren-gen?
Warum wurden diese Maßnahmen von wem verworfen? Wann wurde der Kontakt
mit dem Sprengmeister aufgenommen?
Welche Maßnahmen
wurden in Erwägung gezogen, den Holzstau am Wehr zu beseitigen?
Warum wurden sie nicht
umgestetzt?
Stadt lehnte personelle Hilfe der Bundeswehr ab
Bei der Bürgerversammlung
am 28.6.99 teilte Habermaier mit, daß er die Bundeswehr um 17.00
h angefordert habe, sie versprochen habe, um 19.00 h zu kommen, und erst
nach Mitternacht gekommen sei. Fregattenkapitän Hofs vom Verteidigungsbezirkskommando
63, das auch im Bereich Schwaben zuständig ist für die Koordination
der Katastrophenhilfe durch die Bundes-wehr, was den zivilen Katastrophenschutzbehörden
bekannt sein müsste, erklärte hierzu auf Nachfrage, daß
die Bundeswehr am Samstag gegen 17.00 h bei einem Rundruf in allen Land-ratsämtern
und kreisfreien Städten und so auch in Augsburg angefragt habe, wie
die Hochwa-serlage sei und ob personelle oder materielle Hilfe benötigt
werde. Nach mehreren Telefonaten sei vereinbart worden, daß die Bundeswehr
aus Bogen 5000 Sandsäcke bringt: „Bis 22.00 h ist kein Anruf
seitens der Einsatzleitung von Augsburg erfolgt. Erst zwischen 22.00 und
24.00 fan-den drei Telefonate statt, die jedoch lediglich die Zuführung
von Sandsäcken zum Inhalt hatten.
Dabei wurde die von uns
angebotene personelle Unterstützung durch die Bundeswehr von der Augsburger
Einsatzleitung stets abgelehnt. Nach der Zuführung der Sandsäcke
wurde das Trans-portkommando mit den Fahrzeugen von der örtlichen
Einsatzleitung entlassen. “
Wer war eigentlich
dafür verantortlich, daß die personelle Unterstützung der
Bundeswehr nicht angefordert wurde, während Freiwillige, darunter
Kinder und ältere Menschen – teil-weise unter Lebensgefahr – verzweifelt
versuchten, den Damm zu halten? Warum wurde der Katastrophenalarm so spät
ausgerufen? Warum stellte Feuewrwehrchef Habermaier in der Bürgerversammlung
den Sachverhalt so ganz anders dar?
17.00 h: Erste Alarmierung der Schafweidsiedlung durch einen Bürger, da die Wertach über die Ufer trat. Kurz danach werden von der Polizei Freiwillige gesucht. Eine halbe Stunde später sind 50, später 100 Freiwillige auf der Höhe des Wehres. Eine Freiwillige berichtet: „Ein Lastwagen voll Sand wird abgeladen, es sind zu wenige Sandsäcke da. Schaufeln werden nicht angeliefert, so daß man auf die von den Siedlern mitgebrachten Geräte angewiesen ist. Der Nachschub stockt. Angeblich hat die Baustofffirma Eser Sand bereit, aber keiner fühlt sich zuständig, sie in Anspruch zu nehmen. Es sind immer entschieden mehr Freiwillige da als organisierte Helfer – etwa im Verhältnis 3-4 zu eins. Die Feuerwehr soll sich hauptsächlich mit Absperrungen be-schäftigt haben.
Die Wertachbrücke wird für den Verkehr gesperrt. Der Wasserstand der Wertach erreicht die Brückenunterseite. Einzelne angeschwemmte Bäume stellen sich vor der Wertachbrücke auf und knallen mit Wucht auf die Brücke.
17.31 h: Über Radios werden Freiwillige gebeten, der Feuerwehr bei der Wellenburger Alle beim Sandsackfüllen zu helfen.
18.00 h: Es gelingt, auf
der Höhe des Wehres – maximal auf der Länge von 50 – 70 m einen
Sandsackwall von etwa 1 m Höhe zu errichten. Lange Wartezeiten, unzureichende
Mengen von Sand, zu wenige und sehr verschiedene Sandsäcke sowie mangelhafte
Information der Helfer zeigen erhebliche Organisationsmängel auf.
Die Arbeiten geraten oft ins Stocken. Herr Reisser soll nicht gewußt
haben, wovon er den Sand bezahlen soll. Ein anderer Helfer: „Entweder fehl-ten
die Säcke oder die Bändel oder der Sand.“
Freiwillige berichten, daß
sie kein Katastrophenmanagement wahrnehmen konnten. Sie erhöhten den
Damm und können den Sandsackwall gerade noch auf die Höhe des
Wasserspiegels halten. Der Wall ist nicht dicht, ab 18.00 h tritt Wasser
in größeren Mengen durch, das die Kleingärten nördlich
davon unter Wasser setzt.
18.30 Einsatzleitung vor Ort: Herr Habermaier und zwei Polizisten!
19.00 h: Wasser, das vom mittlerweile völlig verstopften Wehr bis weit oberhalb der Straßen-brücke aufgestaut wird, ergießt sich über die Wellenburger Allee in breiter Front. (Wasserhöhe 50 cm). Das Wasser wird durch provisorische Dämme nach Westen abgedrängt und über-schwemmt die Felder. Es fließt auch in den Wald östlich der Schafweidsiedlung.
Ein großer Schaufellader
des THW schiebt Erde auf den Sandsackwall am Wehr, allerdings nur im oberen
Bereich. Er hat nicht genügend Material zur Verfügung und verschwindet
bald wieder. Die Ligusterhecke im unteren Bereich wird nicht abgeräumt,
so daß nach dem späteren Bruch des Damms der Zugang erschwert
bleibt. Dadurch wurden auch die Helfer beim Sandsackwall behindert und
eine vernünftige Beleuchtung verunmöglicht.
Ein anderer Freiwilliger
berichtete, daß seiner Meinung nach die Freiwilligen sich in große
Le-bensgefahr begeben hätten, und um ihr Leben hätten rennen
müssen, als ein Baum aus dem Au-waldbereich umstürzte. Auch er
meinte, daß man mehr geschulte Kräfte gebraucht hätte.
Mehrfach beklagte Feuerwehrchef
Habermaier bei seinem „Bericht“ im Stadtrat, daß die Be-leuchtung
unzureichend war.
War eigentlich versucht
worden, Flutlichtwägen etwa bei der Bereitschaftspolizei in Königs-brunn
oder bei anderen Organisationen anzufordern?
Es war auch kein Rot-Kreuz-Wagen
auf der Westseite des Damms in Bereitschaft.
Weshalb war niemand von der Einsatzleitung am Ort des späteren Dammbruchs bemerkbar?, wunderte sich ein freiwilliger Helfer.
Ein großer Baum mit Krone und breitem Wurzelstock verstopft mit weiteren Schwemmholz das Wehr weiter. Schritte, den Baum rauszuziehen, wurden nicht in die Wege geleitet. Warum nicht? Der Baum soll mit den anderen Stämmen eine riesige Biberburg gebildet haben.
Erhebliche Wassermengen flossen bereits durch die Kleingartenanlagen. Wurde dem Wasser nachgegangen, das durch die Kleingartenanlagen in das Gögginger Wäldle floß, um zu sehen, wo es weiter hinfließt?
In diesem Zeitraum muß
Reisser ein Radio-Interview gegeben haben, daß er den Feuerwehrleu-ten
nicht zumuten könne, sich abseilend mit der Motorsäge Baumstämme
auseinanderzusägen, weil das für diese zu gefährlich sei.
Außerdem warnte er vor dem Betreten der Dämme, da diese unterspült
sein könnten.
Wieso war Reisser
dann nicht klar, daß die Dämme auch irgendwann brechen können
und welche Folge dieser Dammbruch haben wird? Warum wurde keine Vorsorge
vor der Flut ge-troffen?
Warum hat man nicht lächerliche 100 m Damm von der Brücke bis etwa 10 m unterhalb des Ackermann-Wehres mit Entschlossenheit verteidigt?
In den Donaustädten werden auch mal mit dem technischen Hilfswerk Notdämme errichtet, da-mit Siedlungsgebiete nicht geflutet werden. Warum hat man nicht versucht, durch einen künstlich gebauten Damm - etwa über den Wasenmeisterweg und den Wertachuferweg süd-lich der Schafweidsiedlung sowie südlich der B17 - einen Großteil des Wassers wieder in die Wert ach zurückzulenken? Man hätte nur die zwei Durchfahrten unter der B17 für das Wasser sperren müssen, um das Wasser wieder in die Wertach zurückzulenken. Das Flußbett hätte die Wassermassen fassen können.
Warum wurde samstags weder das Wehr geräumt, oder gesprengt, noch anderweitig geöffnet, noch das Holz mit schwerem Gerät entfernt, noch Notdämme errichtet, noch die Bevölkerung gewarnt?
Stimmt es wirklich, daß Herr Reisser eine Sprengung des Wehrs abgelehnt haben soll mit den Worten: „Wegen dem Rinnsaal, was da über die Ufer tritt, brauchen wir das Wehr nicht zu sprengen?“, wie es in einem Leserbrief in der Augsburger Allgemeinen steht?
Vor 20.00: Der OB akzeptiert
den Urlaub des Herrn Reisser, wie er auf der Bürgerversammlung vom
28.6.99 ausführte. Zu diesem Zeitpunkt habe er die Katastrophe noch
nicht abschätzen kön-nen, sagt er. Offenbar war er von seinem
Referenten und seinen Fachleuten äußerst schlecht in-formiert
worden. Zu diesem Zeitpunkt hätte ihm die akut drohende Gefahr klar
sein müssen.
Später widerruft er
die Genehmigung zum Urlaubsantritt nicht. Genehmigung hin oder her. Nie-mand
kann das Verhalten des Herrn Reisser verstehen. Verstehen kann auch niemand,
daß eine Führungskraft nach einem derartigen Fehlverhalten wie
dem des Herrn Reisser ihren Arbeits-platz nach dem Urlaub überhaupt
noch betreten kann.
Ca. 20.00 h: Der Sandsackwall zur Gögginger Seite bricht und wird von der Feuerwehr aufgege-ben, unter Lebensgefahr können sich die freiwilligen Helfer retten.
Nach 20.00 h: Über Lautsprecher werden die Anwohner in Göggingen aufgefordert, ihre Autos aus den Tiefgaragen zu fahren. Viele Anwohner befolgen den Aufruf und stellen ihre Autos dann auf die Straße, wo sie kurze Zeit später ebenfalls bis in den Wageninnenraum überflutet werden. Um 20.00 h steht in der Erlöserkirche das Wasser, um 21.15 bricht der östliche Damm, weite Teile rund um das Ackermann-Gelände und das Ackermann-Gelände werden überflutet.
Die Verstopfung des Wehres mit Holz soll so dicht gewesen sein, daß direkt unterhalb des Weh-res der Boden des Flußbetts sichtbar gewesen sei. Die Wertach floß nur noch links und rechts am Wehr vorbei.
22.00 h Ein freiwilliger
Helfer bemerkt ein Loch in der westlichen Dammkrone, das durch einen umgestürzten
Baum verursacht war. Er brauchte eine Viertelstunde, bis er jemanden fand,
der sich für die Entgegennahme dieser Gefahrenmeldung zuständig
fühlte. Es wurden keine Versu-che unternommen, die Bruchstelle schnell
zu stopfen. Statt dessen beauftragte Habermaier einen Feuerwehrler die
Dammbruchstelle, die sich rasch ausweitet, mit einer Lampe zu beobachten
und die Bruchstelle mit Plastikbändern zu sichern. Aus der Bruchstelle
entstand bald eine sehr große Bresche.
Spätestens jetzt hätte
klar sein müssen, daß große Wassermengen nach Pfersee
fließen werden. Bis um 22.00 h wurde versucht, den Radegundisgraben
auszupumpen. Haben die über den Damm abrückenden Mitarbeiter
des Tiefbauamts nicht gemeldet, daß Wasser im Wald war?
Welche Versuche wurden
unternommen, geeignetes technisches Gerät und Material herbeizu-schaffen,
um den Damm zu halten? Konnten die Verantwortlichen annehmen, daß
der Ein-satz von einem Bagger reichen würde?
Weshalb wurden nicht
gleich zu Anfang des Dammbruchs schweres Gerät und ausgebildete Helfer
eingesetzt? Andere Dämme (Oder, Donau) wurden durch mit Hubschraubern
abgewor-fene Lasten gesichert. Warum dieser nicht?
Ist überprüft
worden, ob durch eine Schließung der Unterführung unter der
B17 – gegeben-falls unter Einbeziehung der vorhandenen Lärmschutzwälle
südlich der B17 – Pfersee zu si-chern gewesen wäre?
Wer ist für den
unterbliebenen oder verzögerten Einsatz von Hilfskräften verantwortlich?
Viele nicht getroffenen Maßnahmen wären billiger gewesen als der nun entstandene Scha-den, von der Gefährdung von Menschenleben ganz zu schweigen.
Stellt die in der AZ veröffentliche Meinung eines stellvertretenden Einsatzleiters, man habe die Lage jederzeit im Griff gehabt, und die Hinzuziehung weiterer Einsatzkräfte sei überflüssig gewesen, die offizielle Meinung der Stadt Augsburg dar?
Etwa 22.00 h: Etwa 80 m nördlich
der Brücke ist an einer Stelle ein Teil des Wertachdammwegs weggespült
worden.
Spätestens um 22.00
h muß der örtlichen Einsatzleitung klar gewesen sein, daß
der Damm zu brechen droht.
22.00 h Eine Bürgerin ruft bei der Polizei wegen Grundwasser im Keller an und erfährt: „Gute Frau, Sie bekommen nicht nur Grundwasser, sondern Hochwasser von der Wertach!“
22.23 h: Die Dammkrone westlicherseits
war überspült worden, was zu einem verstärktem Ver-bau mit
Steinen und Aushubmaterial geführt habe.
22.15: Herr Reisser sieht immer noch keine Notwendigkeit, die gefährdete Siedlungen zu infor-mieren.
22.30 Um diese Zeit soll der Sprengmeister vor Ort gewesen sein. In der Bürgerversammlung sagte der OB, der Sprengmeister habe gesagt, daß man nicht sprengen könne. Auf die Frage, wann das gewesen sei, führte er aus, daß das um diese Zeit gewesen sei. Die Frage, warum denn nicht schon früher gesprengt worden sei, wurde jedoch nicht beantwortet.
22.30 Der Damm ist schon an sehr vielen Stellen undicht, so ein freiwilliger Helfer, der ebenfalls keine Koordination der Hilfskräfte am Wehr erkennen konnte. Es gab 3 Haufen Sandsäcke, die nicht mehr an den Damm gebracht werden konnten. Es fließt Wasser kniehoch mit deutlicher Strömung auf dem Waldmeisterweg und den Feldern Richtung Schafweidsiedlung. Wer ins Wäldchen zwischen Waldmeisterweg und Wertachdamm ging, mußte feststellen, daß es da nicht nur plätscherte, sondern dort schon weit vor Mitternacht stark strömend floß.
22.30 h Die Bewohner der Schafweidsiedlung werden durch Lautsprecherwagen aufgefordert, ihre Öltanks zu sichern.
Ein Vertreter der Berufsfeuerwehr erklärte Schafweidsiedlern, man versuche, einen Damm am Ortseingang der Siedlung aufzuschütten. Dazu würden Bagger zur Verfügung gestellt. Die Bag-ger kamen, der Sand fehlte. Dann kam wieder einmal die Fa. Eser und brachte Sand. Aufgrund der Bitte von Frau Eser, Helfer zu organisieren, da man nicht wisse, ob es möglich sei, mit dem Bagger die großen Sandsäcke zu füllen, bat Herr Klinger (ein Anwohner!) eine Streifenwagenbe-satzung, herumzufahren und Helfer anzufordern bzw. die Anwohner zu warnen, daß das Wasser wohl nicht mehr aufzuhalten sein wird.
Ein einsamer Baggerfahrer steht in den Fluten und versucht mit zusammengekratzter Erde den Damm zu sichern, ab irgendwann nach Mitternacht bringen ihm zwei Großlaster regelmäßig Steine. Zwei Fuhren gefüllter Sandsäcke können noch von den anwesenden Helfern an den Damm gebracht werden. Es gibt nicht mehr, sondern weniger Helfer und Material, keine Ver-stärkung der freiwilligen Helfer durch professionelle Einsatzkräfte, das Licht geht in der Schaf-weidsiedlung aus, und die Helfer gehen als geschlagenes Häufchen auf den Zuruf, ein weiterer Einsatz lohne nicht, zwischen 23.00 h und 24.00 h nach Hause, während das Wasser in der Schafweidsiedlung ansteigt. Einige Schafweidsiedler bleiben weiter am Wehr.
23.00 h: Bei Herrn Knoth im Wasenmeisterweg 138 stand bereits um 23.00 bis 23.30 h das Was-ser im gesamten Erdgeschoß 1,55 m hoch. Die Bewohner mußten von der Feuerwehr evakuiert werden, um im Haus nicht zu ertrinken.
Weshalb erfolgte nicht spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht eine vorsorgliche Warnung Pfer-sees?
Gegen 23.30 fragte ein Freiwilliger den Einsatzleiter: Hat es Sinn, weiter zu machen? Daraufhin verneinte dieser. Aber zu diesem Zeitpunkt war der Sand eh schon alle.
Bürger Rudolf Hitzler laut AZ: Als ich am Samstag um 23.30 h bei der Polizei anrief, hieß es, uns drohe keine Gefahr.
Der Oberbürgermeister
geht mit Handy nach Hause, sein Katastrophenreferent kurze Zeit später
auch. Vorher erklärt Reisser den Vertreter der lokalen Medien, daß
das Schlimmste jetzt über-standen sei!
Warnungen lokaler Radios erreichten viele nicht
Da die Medien Samstag tagsüber aufgrund entsprechender Mitteilungen der Stadtverantwortli-chen den Eindruck erweckten, von der Wertach drohe keine Gefahr, sahen viele Bürger lange Zeit keine Veranlassung, wegen drohender Überschwemmungsgefahr die Berichterstattung in den lokalen Medien genau zu verfolgen. Erst ab 16.00 h oder ab 18.00 h (Radio Kö) erfolgen Hinweise auf drohende Gefahr, die aber nur von denen registiert werden können, die zufällig die entsprechenden Sender hörten. Die Radios konnten die Bürgerinnen nicht vorwarnen, weil sie selbst nicht vorgewarnt wurden.
Wer informierte die Medien regelmäßig und aktuell?
Im Krisen- und Katastrophenfall sollte für die Medien ein Sprecher der Einsatzleitung abgestellt werden, der ständig die aktuellen Informationen bereithält. Die Beobachtung eines Berichter-statters von Radio Fantasy zeigt jedoch, daß der Informationsfluß und die Zusammenarbeit zwi-schen Feuerwehr und Polizei nicht so funktionierte, wie sie funktionieren sollte. Auf die Bitte eines Polizeibeamten gegen 16.00 h, der auf eine Information der Berufsfeuerwehr verwies, bat Radio Fantasy die Hörerinnen und Hörer, daß doch Freiwillige zum Sand-Sack-Füllen ans Wehr kommen sollten. Etwas später rief ein Mitglied der Berufsfeuerwehr bei Radio Fantasy an, ob sie noch ganz dicht seien, Leute auf den Damm zu schicken ....
Die Berichterstattung der Medien ist auf gute Berichte der Einsatzleitung angewiesen. Von der Feuerwehr und von der Führungsgruppe sollen aber in der Katastrophennacht keine Meldungen gekommen sein.
Daß dann bei zwei großen
Lokalradios ab Mitternacht oder 1 Uhr ein überregionales Mantel-programm
eingespielt wird, wußten viele BürgerInnen nicht. Eine Bürgerin
: Zwischen 23.30 und 24.00 h meldet Radio RT1, daß der Damm in der
Schafweidsiedlung beschädigt sei und der Trafo in der Schafweidsiedlung
wegen der Gefahr der Überflutung abgeschaltet werden müsse. Die
Meldung, daß umgeschaltet wird, wurde überhört. Obwohl
die besorgte Pferseerin bis 1.30 weiter Radio hörte, kamen keine weiteren
aktuellen Nachrichten, nur Musik. Die Pferseerin legte sich dann zur Ruhe.
Als Bürgerinnen die
Gefahr und das nahende Wasser bemerkten, wollten sie sich über das
Lo-kal-Radio informieren. Satt erwarteter aktueller Informationen kam ein
überregional zusammen-gestelltes Musikprogramm. Selbst wenn bei Dammbruch
Sirenenalarm gegeben worden wäre, hätte das nicht viel genutzt,
wenn die Hörer zur genaueren Information das falsche Programm gewählt
hätten! Sie konnten ja nicht wissen, welche Sender berichten und welche
nicht.
Hätten die Redakteure
geahnt, daß sich die Lage derart zuspitzen würde, hätten
sie nicht auf den Mantel umgeschaltet. Ihnen wurde jedoch vor Mitternacht
am Wehr von der Einsatzleitung mit-geteilt, daß das Schlimmste bald
überstanden sei. RT1 und Radio Kö sind aufgrund der Fehl-Meldungen
der Einsatzleitung um 1 Uhr von einer Entspannung der Lage ausgegangen.
Radio Fantasy berichtete
die Nacht über durch, doch auch Radio-Fantasy - Redaktionsleiter Klukkert
fordert, in Zukunft die Rundfunkmedien bei Krisen besser einzubinden. "Die
Zusam-menarbeit mit der Einsatzleitung ließ bereits am Pfingstsamstag-Nachmittag
zu wünschen übrig.
00.30: Über Radio Fantasy höre ich, daß in der Schafweidsiedlung, Göggingen und Pfersee Süd Hochwasserprobleme (was immer man sich darunter vorstellen soll) bestünden oder drohen und daß man die Autos aus den Tiefgaragen fahren und die Öltanks in der Schafweidsiedlung sichern solle. Diese Informationen waren zwar aktuell, aber als Handlungsanleitung für die Betroffenen unzureichend. Manche Anwohner fuhren ihre Autos aus den Tiefgaragen und parkten sie auf der Straße, wo sie dann ebenfalls absoffen. Man hätte präzisieren müssen : Ganz Pfersee-Süd droht eine bisher beispiellose Überschwemmung! Der Wertach-Damm ist nicht nur undicht, sondern gebrochen! Alle Autos in Pfersee Süd müssen nicht nur aus den Tiefgaragen gefahren werden, sondern auch weg aus dem Stadtteil! Die Keller müssen geräumt werden! Es besteht Lebensge-fahr in Kellern, Tiefgaragen und für Bewohner von Souterrain-Wohnungen!
In Zukunft müssen die
Medien schon in der Vorwarnstufe informiert werden, damit sie die
Hö-rer darauf einstimmen können, daß es für sie wichtig
ist, die weitere Berichterstattung genau zu verfolgen. Für die Hörer
muß dann klar erkennbar werden, ob aktuell über ein bestimmtes
The-ma auf diesem Sender weiter lokal informiert wird oder sie sich im
Mantelprogramm befinden. Zudem müssen präzisere Handlungsempfehlungen
gegeben werden.
Der Katastrophenfall wird erklärt – wer erfährt davon?
24.00 h: Nachricht im RT1, daß das Trafohäuschen in der Schafweidsiedlung abgeschaltet wer-de, weil der Damm gebrochen sei.
Ein provisorischer Abflußgraben südlich des Kindergartens wird angelegt. Der Waldmeisterweg wurde von der Firma Eser mit Sandsäcken abgedichtet.
Um Mitternacht fährt ein Polizeiauto durch die Kleingartenanlage am Gögginger Wäldle und fordert per Lautsprecher, die Gartenhäuser zu räumen.
0.01: Die erste Meldung, daß ein Teilstück aus dem Damm gebrochen sei, wird von der Einsatz-zentrale registriert. Nachfolgend sind mehrere Stücke aus dem Damm gebrochen. Insgesamt sei der Damm auf einer Länge von ca. 100 m abgerutscht. (Antwort auf GRÜNE Landtagsanfrage)
0.30 h Wir fahren in die
Schafweidsiedlung. Bei der Straße, die von der Kleingartenanlage
an der Wertach in die Schafweidsiedlung führt, lag eine Barriere in
der Höhe von 3 (!) Sandsäcken. Ein Helfer erklärte uns,
mehr könne man jetzt nicht machen.
Wir wollen über die
Wellenburger Allee zur Wellenburger Brücke fahren, die Polizei ließ
uns jedoch auch nicht als Fußgänger vom Hirschgehege weiter
zur Wellenburger Allee. Sie teilte uns mit, daß das Wasser an der
Wellenburger Allee bei der Brücke tief stehen würde und daß
der Damm geflickt werde. Wir erfuhren nicht, was wirklich los war. Man
sah einen(!) Bagger arbei-ten, immer wieder brachten LKWs Steine. Wir fuhren
heim und machten noch einen Spazier-gang über den eisernen Steg.
0.30 h Herr Ostler vom Wasenmeisterweg beobachtet, daß das Wasser in einer Höhe von 80 cm auf sein Anwesen zukam.
0.45 Herr Fitz schlägt
angesichts der Überschwemmung der Stadionstraße einer Polizeistreife
vor, mit einem Bagger einen Kanal von der Perzheimwiese zum Kanal unterhalb
des E-Werks zu ziehen, um so die Überschwemmung ablaufen zu lassen.
Der Vorschlag wurde mit Achselzucken quittiert und bemerkt, daß man
das der Einsatzleitung melden wolle, wobei die andere Probleme hätte.
Zu diesem Zeitpunkt war
offenbar auch dieser Polizeistreife klar, daß die Einsatzleitung
überfor-dert ist und offenbar kaum die Kapazität habe, sich um
solche Kleinigkeiten wie die Über-schwemmung einer Kleingartenanlage
und mehrerer Häuser im Thelottviertel zu kümmern. Warum hat die
Einsatzleitung nicht mehr Unterstützung angefordert?
Um 1.30 h warnt dann die
Polizei im Thelottviertel mit Durchsagen, aber ohne Martinshorn die Bewohner,
ihre Autos in Sicherheit zu bringen und Wertgegenstände aus den Kellern
zu holen.
Zum nächtlichen Geschehen Menacher : (AZ 26.5.) „Das Ackermann-Wehr brach gegen Mitter-nacht mit einer solchen Wucht, daß selbst Hilfskräfte von den Wassermassen eingeschlossen worden sind. 2500 Mitarbeiter der Stadt und der Hilfsorganisationen hätten versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Das Gögginger Wehr habe nicht gesprengt werden können, weil sonst eine größere Katastrophe gedroht hätte (Welche?).
Ab Mitternacht vom Einsatz
zurückgekehrte, in den Uhlandwiesen wohnende Mitglieder der freiwilligen
Feuerwehr zogen Konsequenzen aus ihren Erlebnissen am Wehr, räumten
ihre Kel-ler leer und sicherten ihre Häuser – so gut es ging – mit
Sandsäcken.
Warum ahnten nur die
Einsatzkräfte die Gefahr, nicht aber die Einsatzleitung?
Dem Wertach-Kraftwerksbetrieber am Gollwitzer Steg, der wegen Turbinenbrand einen enor-men Schaden hinnehmen mußte, ist es mit Mühe gelungen, die Feuerwehr zu überreden, die Schleuse vom Kanal zur Wertach bei der Kulperhütte zu öffnen, damit der Kanal sich nicht mehr in die Rosenaustraße ergießt. Er hat damit dazu beigetragen, die Schäden im Thelottviertel zu begrenzen.
Irgendwann ab Mitternacht:
Der OB geht nach Hause, ist aber mit Handy erreichbar. Kurz darauf geht
auch der Katastrophenreferent nach Hause und tritt von dort direkt am nächsten
Morgen um 9.30 h seine Urlaubsreise an.
1.12 Der Damm bricht westlich
Im Stadtteil Göggingen sinkt langsam das Hochwasser.
Der Wertachkanal war übervoll, er hatte über die Singold das Gögginger Überschwemmungs-wasser aufgenommen. Er führte etwa 60-70 m³ / sec, normalerweise um die 20m³.
Gegen 1:15 sahen wir am eisernen Steg, daß der Wertachkanal sich auf die Stadionstraße – Perz-heimstraße ergoß. Es waren keine Sicherungskräfte oder Polizei zu sehen. Die Bedienung der Schießgrabengaststätte war mit ihrem Auto in den Fluten stecken geblieben. Mit zwei weiteren Passanten halfen wir, das Auto gegen die Flut rauszuschieben und bei der TVA-Turnhalle erhöht abzustellen. Ich holte unser Auto, um die Dame nach Gersthofen heimzufahren. Ich fuhr zwi-schen 1 und 2 Uhr über die B17 – keine Auffälligkeiten an der B17 - in die Gabelsberger Straße. Da die Dame offenbar mittlerweile anderweitig nach Hause gefahren worden war, fuhr ich über die Gögginger Straße und Rosenaustraße zurück. Vor der Augsburger Straße bemühten sich Feu-erwehrleute, dem Wasser einen Weg wieder in den Wertachkanal zu graben. Ich fuhr heim (kei-ne Auffälligkeiten )und legte mich ca um 2.30 schlafen.
2.00 Die Helfer wurden an der Wellenburger Brücke abgezogen, es hieß: Die Schafweidsiedlung wird aufgegeben, der Damm ist gebrochen. Nicht einmal zu diesem Zeitpunkt gab es einen ord-nungsgemäßen Katastrophenschutzstab im Einsatz.
2.10 Reisser und Habermaier beschließen in einem Telefongespräch, des Katastrophenfall auszulösen, 5 Stunden nach dem ersten Dammbruch auf der Gögginger Seite, der noch geflickt werden konnte. Laut AZ wurde der OB hiervon telefonisch informiert.
Der K-fall ist viel zu spät ausgelöst worden. Es bestand schon seit Stunden überörtlicher Koordi-nierungsbedarf.
Ab diesem Zeitpunkt schreibt das Katastrophenschutzgesetz vor, daß eine Führungsgrup-pe (FüGK) gebildet werden muß und örtliche Einsatzleitungen. Notwendig ist im K-Fall nach Katastrophenschutzgesetz eine Führungsgruppe mit Vertretern vom technischen Dienst, Rettungsdienst und Polizei. Für die örtliche Einsatzleitung gab es vorbestimmte Mitglieder aus der Direktion der Berufsfeuerwehr. Wäre eine FüGK gebildet worden, wäre ein Mitglied des FüGK ausschließlich zuständig gewesen für die Umsetzung des Katastro-phenplans, in dem auch dargelegt gewesen wäre, wo welches Gerät zu beschaffen sei, es wären auch Lagekarten hinterlegt gewesen, aus denen man hätte erkennen können, wohin das Wasser fließt.
Diese FüGK wurde jedoch nicht gebildet. Der Vorschrift, die verschiedenen Hilfsdienste integrativ zusammenzuführen, wurde nicht entsprochen. Der Katastrophenplan wird aus-gelöst, aber der Einsatz wird wie ein normaler Feuerwehreinsatz weitergeleitet. Die Hilfsorganisationen werden nicht verständigt und erfahren es viel später zufällig. Es wurde auch kein eigener Funkkanal eingerichtet.
Pläne wurden nicht eingehalten, die Vorschriften nicht beachtet, ob wenigstens die Entscheidun-gen ordnungsgemäß protokolliert wurden, kann leider nicht überprüft werden, da der OB den Stadträten die Einsicht verwehrt.
Dann bereitet sich Reisser auf seinen Urlaub vor. Bei der Bürgerversammlung führte der OB aus, er habe seine Zustimmung zu Reissers Urlaubsfahrt am Samstag zwischen 18.00 und 20.00 gegeben, als er noch nicht gewußt hatte, wie sehr sich die Lage zuspitzen wird. Bei seiner Ab-fahrt aus Augsburg am Sonntag morgen um 9.30 h (!), so der OB in der Stadtratssitzung vom 22.7. muß Reisser aber gewußt haben, welche Katastrophe sich ereignet hat. Sein Stellver-treter Gesler kommt – wie am Vorabend vereinbart – morgens um 8 an die Wellenburger Brük-ke, so die dürren – unglaublichen - Aussagen gegenüber der AZ. Weder er noch verschiedene Hilfsorganisationen wurden von der Ausrufung des Katastrophenfalls informiert, auch die Ret-tungsleitstelle erfuhr es erst eine Stunde später. In der Nacht des Dammbruchs wurde Katastro-phenalarm gegeben, aber 6-8 Stunden war keine Führungskraft der Stadtregierung im Einsatz.
Im Katastrophenfall hat der OB die Einsatzleitung. Er kann diese auch übertragen. An wen hat der OB diese Einsatzleitung ab Ausrufung des K-Falls übertragen? Warum wurde nicht sofort ein Katastrophenstab mit allen Hilfskräften gebildet? Wer hatte die örtliche, wer die überörtliche Einsatzleitung inne? Warum wurden nicht alle zuständigen Organisationen eingebunden?
Wer hatte in der Katastrophennacht
die oberste Einsatzleitung? Wann wurde überhaupt und wenn aus welchen
Personen eine FüGK gebildet? Wann sind die Katastrophenleiter der
Hilfsorganisationen benachrichtigt worden?
Wann ist die Rettungsleitstelle
hiervon benachrichtigt worden?
(Wasserwacht, DLRG, Katastrophenschutz,
BRK, Malteser, Johanniter)
Zu der Nichteinbindung der
Hilfskräfte im Katastrophenfall Herr Gebler, Malteser:
Auch wir wurden nicht offiziell
informiert und haben uns daher um 8.oo morgens selbst in den Einsatz geschickt.
Führungskräfte der unterschiedlichen Hilfsorganisationen erfuhren
es vonein-ander: „Du, damit Du nicht dumm stirbst, wir haben den K-Fall!“
Dazu Habermaier: „Es gab eine Führungsgruppe mit Vertretern der Feuerwehr und zwei Polizei-beamten. Ich habe das als ausreichend erachtet.“
Für den K-Fall gibt es stapelweise Richtlinien. Sie wurden mißachtet.
Der Stellvertreter Reissers,
der Kulturreferent Gesler, war Samstag abends ebenfalls vor Ort, ging aber
vor Mitternacht. (AZ 12.6.99) Über den Eintritt des „K-Falles“ um
2.10 h wurde er nach eigenen Angaben nicht informiert. Er sei auch nicht
in die Führungsgruppe gerufen worden, sagt Gesler. „Das zeigt, daß
ich nicht als der entscheidende Mann angesehen wurde.“ Seiner Meinung nach
habe Reisser weiter die Einsatzleitung innegehabt.
Die Überflutung von Pfersee
2.30 h Wasser strömt
schon in der Uhlandstraße in der Höhe des Fußballplatzes.
Ca zur gleichen Zeit tritt Wasser auf der Seite der Schlegelstraße
durch die Gitter in die Kellerfenster ein in einer Stärke, daß
innerhalb von 20 Minuten der Keller einen halben Meter tief unter Wasser
steht.
2.55 Die Polizeizentrale
wird über Fax vom K-Fall in Kenntnis gesetzt, die Medien um 2.39 h,
die Rettungsleitstelle erfuhr es von der Polizei, aber erst um 3.00 h.
2.57 Ein Polizeibeamter der Polizeiinspektion Pfersee aufgrund des Hinweises eines Bürgers die Überschwemmung der B17 fest.
Ein mächtiger Baum, der von der Bruchstelle des Ackermann-Wehres weggespült worden war, zertrümmerte den Mittelpfeiler des Lokalbahnstegs.
Nach 3.00 h In der Uhlandstraße will eine Bewohnerin die Nachbarn warnen, kommt aber nicht mehr über die Straße, weil das Wasser so reissend war.
3.15 h Eine Bewohnerin Ecke Uhlandstraße/Max-Pechsteinstraße ruft 112: „Bei uns ist Wasser im Keller!“. „Gute Frau, wo soll das denn sein?“ „In der Uhlandwiese!“ „Wir wissen schon, daß da heute noch Hochwasserprobleme kommen, aber das wird schon nicht so schlimm werden!“
Zur Alarmierung Feuerwehrverantwortlicher
Grimm: Man habe über Radio informiert und 3 Lautsprecherwagen eingesetzt,
aber nachts schliefen die meisten Menschen schon. Außerdem sei die
Lage schlicht unklar gewesen, wir haben einfach nicht gewußt, wohin
das Wasser fließt. Bei einem Jahrhundertereignis fehlten die Erfahrungswerte.
Es war aber kein Jahrhundertereignis.
Außerdem sind die Behörden gesetzlich verpflichtet, si-cherzustellen,
daß auch bei einem Jahrhundertereignis das Wasser gefahrlos abfließt!!!
Zur Alarmierung sagt demgegenüber Hauptkommissar Stadler am 16.6. gegenüber der AZ: “Ich habe 1965 selbst gesehen, wie Autos in den Tiefgaragen an der Decke schwammen und habe deshalb am Samstag um 18.20 h in der Chemnitzer Straße und der Droste-Hülsoff-Straße die Bevölkerung via Lautsprecher warnen lassen, da es Bedenken gab, daß der Damm bricht.“ Man-che haben diese Einzelaktion gehört und ihr Auto aus der Tiefgarage gefahren, die meisten ha-ben es nicht mitbekommen.
3.00 Die B17 wird überflutet.
3.10 Das Wasser floß mit Wucht in die Uhlandwiese. Erste Anwohner wachen von den gurgeln-den Geräuschen der Wertach auf.
Sichtbar unglücklich mußte Herr Heinrich, Leiter der Polizeiinspektion Pfersee auf der Bürger-versammlung vom 28.6.99 mitteilen, daß er leider die Pferseer Bevölkerung erst sehr spät vor der Überschwemmung warnen konnte. Erst durch eigene Augenscheinnahme und nicht durch Information der Einsatzleitung oder der Zentrale konnte er sich über die Situation informieren und ab 3.20 h die Pferseer Bevölkerung warnen.
Ab 3.20 Hochwasserwelle in der Uhlandstraße
3.41 Hochwassermeldung Max-Pechstein-Straße
3.45 :In der Uhlandwiese werden die Anwohner teilweise mit Lautsprecherdurchsagen gewarnt. Teilweise bringen Bürger ihre Autos in Sicherheit. Sie versuchen, aus Pfersee wegzufahren. Es entsteht ein Verkehrschaos. Von der einen Seite kommen noch mehr Autos, von der anderen schon die Wertach, die sich mit schneller Schrittgeschwindigkeit in den Stadtteil ergießt.
4.03 Hochwassermeldung Otto-Nicolai-Straße
4.20 h Info durch Feuerwehr in der Görres-Straße: Schöpfen zwecklos, es kommt noch mehr Wasser.
4.28 Hochwassermeldung Chemnitzer Straße
Hubschrauber informierten
mit Lautsprechern die Bevölkerung in der südlichen Uhlandwiese:
„Die Wertach ist soeben über die Ufer getreten. Begeben Sie sich in
die oberen Stockwerke und bewahren Sie Ruhe!“ Die Warnung kam für
viele unerwartet wie der Blitz aus dem heiteren Himmel! Ein Blick aus dem
Fenster offenbarte: Die Wertach war aber schon da auf den Straßen
und in den Garagen!
Die Warnung erfolgte offenbar
durch einen Hilfsdienst, der auf eigene Initiative handelte, ohne Koordination
der Einsatzleitung.
Viele Bürger berichten, daß sie erst das Wasser gehört oder gesehen haben, und dann erst eine Warnung wahrgenommen haben. Oder sie haben gar keine Warnung gehört.
4.43 Hochwassermeldung in der Droste-Hülsoff-Straße
4.45 :In der Uhlandstraße steht das Wasser 1,5 m hoch
5.24 Hochwassermeldung Rupprechtstraße
5.30 h: Herr Scherer wurde in der Arnulfstraße dadurch geweckt, daß die Rollladen elektrisch nach oben gingen und die Alarmanlage aufgrund des Stromausfalls auslöste. Es gab keine Vor-warnung von außen. Zu diesem Zeitpunkt floß das Wasser schon hüfthoch durch die Arnulfstra-ße.
Die Kirchenglocken konnten nicht vorwarnen. Als Stadtpfarrer Kästle von dem Drama erfährt, ist schon der Strom abgeschaltet.
6.30 Hochwassermeldung Färberstraße
Der Betreiber des Wertachkraftwerks wandte sich in den Morgenstunden an eine Polizeistreife, da Teile des ehemaligen Floßmeisterhauses in seinem Rechen hingen und er befürchtete, daß er ohne einen Bagger seinen Rechen nicht weiterhin von Treibgut freihalten könne und eine weitere Überschwemmung der Kleingartenanlage Perzheimwiese sowie Teilen des Thelottviertels drohe. Die Polizeistreife wußte nichts davon, daß man im K-Fall auch Gerät beschlagnahmen kann, um Schäden abzuwehren und konnte ihm nicht mit Hinweisen, was er jetzt tun solle, weiterhelfen.
7.26 Hochwassermeldung Kirchbergstraße
Menschenleben in Gefahr
Als der Strom in Pfersee flächendeckend abgeschaltet wurde, fuhr eine Bewohnerin mit dem Aufzug in den Keller ihres Hauses. Der Aufzug stoppte im Keller, in den das Wasser bald hin-einlief. Glücklicherweise gelang es ihr, sich durch Klopfen bemerkbar zu machen. Alarmierten des THW gelang es, den Aufzug mit Werkzeug zu öffnen und die Frau aus den steigenden Fluten zu retten.
Gab es bei der flächendeckenden
Stromabschaltung systematische Überlegungen, wo durch den Stromausfall
Menschen in Lebensgefahr geraten könnten?
Welche Maßnahmen
wurden seitens der Einsatzleitung ergriffen, um Vorkehrungen zu tref-fen
und Menschen in Lebensgefahr zu retten?
Ca 60 Mitglieder der Wasserwacht gehen durch das Viertel und klopfen Souterrainwohnungen auf, um zu verhindern, daß jemand in seiner Wohnung ertrinkt. Sie haben sich dazu selbst in den Einsatz geschickt. Sie öffnen die Türen von Tiefgaragen, um sicherzustellen, daß sich niemand mehr in ihnen befindet. Sie haben dazu auch Taucher eingesetzt. Wenn es in Pfersee keine To-desopfer gegeben hat, dann ist es auch das Verdienst dieser Helfer!
Ca 6 Stunden später soll Stadtdirektor Wimmer, der mit OB, dessen Gattin und dem örtlichen CSU-MdB Ruck an den Rand der Geschehens eilte, verkündet haben, daß allein die Tatsache, daß niemand ertrunken ist, Ergebnis der klugen Taktik der Einsatzleitung gewesen sei: Indem man die Bevölkerung nicht gewarnt habe, habe man verhindert, daß diese in die Keller gehen, um Gegenstände zu retten und dann womöglich dort ertrinken. Später wurde diese Auffassung von einem Vertreter der Berufsfeuerwehr gegenüber der AZ nochmals vertreten.
Teilt die Stadtspitze wirklich die Auffassung, daß es das sicherste ist, in Hoch-wassergefahren die Menschen nicht zu warnen?
Irgendwann Sonntag abends wurde der Strom wieder angeschaltet. Verschiedene Keller standen noch unter Wasser. Bestand da noch die Gefahr eines Stromschlags? Andere Anwohner mußten eine Woche (!) lang warten, bis sie wieder Strom in ihrem Haus zur Verfügung hatten.
In den früheren Sonntag-Vormittag-Stunden gelang es Bürgern mit Hilfe eines Trupps der Bun-deswehr, der nach Aussage eines Soldaten vom Hochwassereinsatz in Neu-Ulm kam und zufällig auf seinem Heimweg durch Pfersee fuhr und von einem Anwohner gestoppt wurde, an der Augsburger Straße und an der Kirchbergstraße einige Keller zu sichern. Der Trupp hatte noch leere Sandsäcke auf den LKWs und Anwohner konnten aus Spielplätzen noch Sand sowie Schaufeln organisieren, so daß in Teamarbeit noch schnell wirkungsvolle Hilfe geleistet werden konnte.
An Donau und Oder wurde die Bundeswehr professionell und wirkungsvoll eingesetzt. Warum wurde ihre Hilfe in Augsburg in der Pfingstnacht nicht eingesetzt?
Warten auf Hilfe und Information
Ab So 10.00 h Immer wieder tauchen Nachrichten auf, daß ein Feuerwehrmann am Rande des überschwemmten Gebiets an der Augsburger Straße gesagt haben soll, daß eine zweite Flutwelle komme. Diese Information wurde von Nachbar zu Nachbar im überfluteten Gebiet weitergetra-gen; die vom Hochwasser eingeschlossenen verfügten weder über Strom, noch Telefon, und in der Regel auch nicht über Radioinformation.
Ich beschließe, das
Fahrrad an den Rand der Fluten zu schieben, und Erkundigungen einzuzie-hen.
Etwas später treffe ich den Kulturreferent am Lokalbahnsteg beim Wertachkanal,
in ein Gespräch mit der Familie des Theaterintendanten vertieft. Ich
geselle mich dazu und frage, ob er Informationen hätte, wann und ob
der Damm abgedichtet werden könne und ob eine zweite Flutwelle komme.
Durch den Wertachkanal schwammen gerade Teile des Floßmeisterhauses.
(Traumgrundstück). Herr Gesler zeigte sich erstaunt, daß auf
der anderen Seite der Wertach alles unter Wasser stand.
Der Kulturreferent, der
ja zu dieser Zeit als Vertreter des auf Urlaubsreise weilenden Katasto-phenreferenten
Augsburgs oberster Katastrophenmanager war, was ich und möglicherweise
so-gar er nicht wußte, verneinte. Er war weit ab von der Einsatzleitung
an der Wellenburger Brücke ganz alleine an der Lokalbahnbrücke
positioniert. Er war auf der Suche nach der Nummer der städtischen
Einsatzleitung, um den Lokalbahnsteg sperren zu lassen, dessen Geländer
ja beschä-digt war. Wir konnten ihm nicht weiterhelfen. Auf der Suche
nach der Nummer rief er seine Frau an und ich radelte unverrichteter Dinge
wieder nach Hause.
Ein Anwohner hält auf der Augsburger Straße – die überschwemmt war – ein Polizeiauto an und frägt, was wahr ist an den Gerüchten von einer zweiten, noch höheren Flutwelle. Der Polizeibe-amte äußerte sichtlich frustriert, daß er keine Entwarnung geben könne, weil ihm hierzu Infor-mationen fehlten, schaltete sein Blaulicht ein und fuhr zum Einsatz.
Warum wurde die Polizei, die ja in jedem Auto über Funksprechanlagen verfügt, nicht zeit-nah über den aktuellen Sachstand in Kenntnis gesetzt?
23.5., 12.00 h Die Lage wird
als stabil gekennzeichnet, der Katastrophenfall aufgehoben.
Um diese Zeit haben die
Hilfskräfte noch nicht alle Keller geöffnet, die Flut in Pfersee
ist allen-falls unmerklich gesunken. Dennoch wird den Hilfskräften
mitgeteilt, daß der Katastrophenfall aufgehoben sei, und sie keine
weiteren Tiefgaragen öffnen bräuchten.
Da waren die Taucher noch
unterwegs, um die Tiefgaragen zu untersuchen!
Warum hat der OB zu
diesem Zeitpunkt schon den Katastrophenfall aufgehoben?
Die Betroffenen werden von der Aufhebung des Katastrophenfalls nicht in Kenntnis gesetzt. Sie fürchten sich bis in den späten Nachmittag vor einer zweiten Flutwelle und räumen ihre Erdge-schosse leer.
Nachmittags noch hielt sich das Gerücht, daß mit einer neuen Flutwelle in den Abendstunden zu rechnen sei. Da in Pfersee von niemand Auskunft hierüber zu bekommen war, schob ich mein Rad wieder an den Rand des Hochwassers und radelte gegen 15.00 h östlicherseits zur Wellen-burger Brücke. Der Polizeibeamte dort konnte mir ebenfalls keine Auskunft geben, ob das Was-ser noch weiter steigt, war aber angewiesen, mich aus Sicherheitsgründen nicht auf die andere Seite der Wellenburger Brücke zu lassen, wo sich die Einsatzleitung befand. Mir blieb nichts anderes übrig, als über Radau, Inningen, Bergheim auf die andere Seite der Brücke zu radeln. Warum war die Polizei so uninformiert? Warum gab es keine halbstündigen Berichte für alle Polizeikräfte im Einsatz, so daß sich die Betroffenen wenigstens bei der Polizei Informationen holen konnten?
Unkoordinierter Hilfeeinsatz:
Endlich angekommen bei der Einsatzleitung erfuhr ich gegen 16.00 h zumindest, daß das Wasser nicht mehr ansteigen wird. Auf meine Frage nach Hilfestellung beim Leerpumpen der Keller informierte man mich, daß die Hilfe für Pfersee in der Sheridan-Kaserne koordiniert werde und ich dorthin radeln solle. Dort traf ich dann ca 10 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Gerstho-fen, die bedauerten, keine Pumpen zu haben. Sie konnten mit nicht sagen, was ich jetzt tun solle. Ich teilte ihnen mit, daß mir eine Anwohnerin auf dem Herweg gesagt habe, daß das Rote Kreuz Pumpen habe und sich wundere, daß diese noch nicht angefordert worden seien. Daraufhin wur-de mir gesagt, daß ich dies der freiwilligen Feuerwehr in Pfersee mitteilen sollte, zu der ich dann hinradelte. Dort erfuhr ich, daß man sich bei 112 melden soll, wenn man den Keller leergepumpt haben wolle. Man lieh mir ein Handy und ich erfuhr unter 112, daß es morgen oder übermorgen werden könne......
Herr Rumstedt hat eine 20
Monate alte Tochter und versuchte sonntags vergeblich, telefonisch eine
Auskunft zu erhalten, ob das Trinkwasser in Ordnung sei.
Abgesehen davon hatten die
meisten Betroffenen gar keine Möglichkeit, etwas zu kochen oder abzukochen,
weil es keinen Strom gab. Nicht jeder hatte ein einsatzbereites Camping-Geschirr
im Keller, nicht jeder versuchte, dies aus dem vollgelaufenen Keller zu
bergen. Mein Gasherd war funktionsfähig. Warnungen, daß man
ihn nicht benutzen solle, erreichten mich Pfingsten nicht.
Erst gegen Pfingstsonntag abend war für mich der Beginn eines koordinierten Handelns der Hilfskräfte erkennbar. Sonntags tagsüber half man sich selbst oder man half sich in Nachbar-schaftshilfe, die in der Regel sehr gut funktionierte, aber bei den vorhandenen Problemen natür-lich an ihre Grenzen stieß. Ich hätte bis dahin nie gedacht, daß es möglich ist, morgens mitten in einer Großstadt aufzuwachen, in einem Stadtteil, der komplett einen halben bis ganzen Meter unter strömenden Wasser steht, und dann den ganzen Tag über keinen einzigen Vertreter irgend-einer Hilfsorganisation vor Ort zu sehen.
In den Abendstunden waren sehr viele Schaulustige unterwegs, die mit höherer Geschwindigkeit durch die Straßen mit ablaufenden Wasser fuhren und dadurch Wellen verursachten, die wieder lehmig-öliges Wasser in die Häuser zurückschwappen ließen. An anderen Stellen wurden Freun-de mit Gerät (Pumpen, Schläuche etc) nicht vorgelassen und auf den Parkplatz der Sheridan-Kaserne verwiesen.
Die Nachbesprechung
Um das nächste Mal noch
besser mit den Hilfsorganisationen zusammenarbeiten zu können, ge-lobten
Reisser und Habermaier, die Hilfsorganisationen zu einer Nachbesprechung
einzuladen. Leider wurde bei der Nachbesprechung `vergessen`, die Malteser
einzuladen. Auch die Wasser-wacht war nicht zugegen, schließlich
ist sie ja durch das Rote Kreuz vertreten, und auch dieses war nicht durch
den für Katastrophenschutz Zuständigen vertreten, sondern durch
jemanden, der für den medizinischen Bereich zuständig ist.
Werden so die Grundsteine
für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt?
Der Freistaat
verspricht Hilfe, allerdings
nur für Menschen mit sehr geringen Einkommen, oder ein paar Tau-sender,
für die, deren Erdgeschoß unter Wasser stand – ein kleines Trostpflaster,
sonst nichts – und ein paar steuerliche Absetzungsmöglichkeiten. Im
wesentlichen soll sich der Bürger selber helfen, so Faltlhauser, der
Staat könne nur einen kleinen Beitrag leisten. Wie aber kann
sich der Bürger vor einem überforderten Katastrophenmanagement
schützen?
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