| Erinnerungen
an Pfersee’s Vergangenheit.
Zusammengestellt nach dem pfarramtlichen
Aktenmaterial.
Von O.[tto] Siller. [ca. 1900]
Die um das alte Römerkastel gelegene
Ansiedlung Pfersee (in alten Urkunden Pherese - vom keltischen Worte Perz
= Pforte) scheint Augsburg im Alter nicht weit nachzustehen.
Schon in den Römertagen widerhallten
die Wertachgefilde von Pfersee vom Waffenlärm der gegen Augsburg anstürmenden
Barbaren. Hier erfocht Kaiser Constantin im Jahre 274 über die Alemannen,
welche Augsburg belagerten, einen großen Sieg. Der Römer Eumenius
besingt deshalb in seiner Lobrede auf den Sieger "Die mit den Gebeinen
der erschlagenen Feinde angefüllten" Wertachgefilde (Campi Vindonis).
Auf denselben Wertachauen hat ein Jahrtausend später Leopold von Oestereich
sein Hilfsheer aufgestellt, das er seinem Bruder Friedich zu spät
zuführen wollte.
Im Jahre 1285 hauste ein Ritter Hermann
von Pfersee mit empörender Willkür und Gewalttätigkeit.
Am ärgsten trieb es dieser wilde Raubritter am Anfang des 14. Jahrhunderts.
Er fing mit aller Welt Händel an und erfüllte als echter "Schnapphahn"
die ganze Gegend um Augsburg jahrelang mit Mord und Brand, bis endlich
das Gejammer der Mißhandelten zu Kaiser Heinrich VII, drang - der
dicke deutsche Gedulkdsfaden riß. Der Raubritter von Pfersee wurde
nun im Jahre 1309 in die Reichsacht erklärt und der kaiserliche Landvogt
Graf Konrad von Kirchberg mit der Vollsteckung beauftrgt. Dieser bot den
Landsturm gegen den Landfriedensbrecher auf, scheint aber wenig ausgerichtet
zu haben. Erst 3 Jahre später, 1312 gelang es, des Mordbrenners Herr
zu werden und ihm das Handwerk zu legen. Jetzt tat der alte Sünder
"Buße" und stiftete mehrere "Seelgeräte" (fromme Stiftungen)
und lebte noch bis 1327. Während des Raubkrieges war jedoch Ritter
Hermann und sein Geschlecht nicht mehr im Besitze der Burg von Pfersee.
Die Gossenbrott besaßen Pfersee
vom Jahre 1476 bis 1547. Im Jahre 1549 erkaufte es Hieronymus Sailer, dessen
Nachkommen sich fortan von "Pfersheim" schrieben. Felizitas Welser, die
Witwe des Hieronymus Sailer überließ im Jahre 1568 das Dorf
um 10,000 fl. ihrem Sohne Bartholomäus Sailer. Unter ihm kamen die
Juden nach Pfersee. Das ging so zu:
Da Pfersee im Bereich der Markgrafschaft
Burgau lag, beanspruchte der damalige Markgraf Erz-Herzog Ferdinand gewisse
Oberherrlicheitsrechte und erlaubte den Juden gegen den Willen des Gutsherrn
Sailer die Ansiedlung in Pfersee. Sailer tat alles um der Juden los zu
werden, und die damals gar judenfeindlichen Augsburger standen ihm treu
zur Seite. Sie schickten sogar eine Gesandtschaft an den Erzherzog, die
ihn bat, "das so schädliche Judengesind von dem Ort wegzuschaffen".
Alles vergebens. Ferdinand ließ nicht von den Juden und hatte wahrscheinlich
- klingende Gründe - hierfür. Die Juden blieben in Pfersee. Das
ärgerte Sailer so sehr, daß er schon anno 1570 das Dorf an seinen
Schwager Michael Katzböck von Thürstein abtrat.
Am 3. August 1620 wurde Martin Zobel
aus Pfersee von den Geschlechtern oder Patriziern für Wolfgang Paller
in das städtische Bauamt (Augsburg) gewählt.
Anno 1621 wurde er als Inhaber das
Gutes Pfersee vom Rat ersucht, auf diejenigen Bürger, welche zu den
dort wohnenden Juden kommen, oder mit ihnen handeln, gute Acht geben zu
lassen, und auch selbe dem Rat namhaft zu machen, damit sie wegen "Münz-Kipperen
und Wipperen" in Untersuchung gezogen werden können.
Als am 21. Mai desselben Jahres eine
junge Weibsperson wegen begangener Verbrechen sollte hingerichtet werden,
wurde sie auf eine sonderbare Art von der ihr schon angekündeten Todesstrafe
befreit, Es bat nämlich ein Diener eines sich zu Augsburg aufhaltenden
Edelmannes aus Frankreich für ihr Leben, und erbot sich, selbe zu
heiraten und mit sich nach Frankreich zu nehmen. Er brachte dies zuwegen
und ließ sich, nachdem sie ihm abgefolgt worden, mit ihr zu Pfersee
einsegnen.
Anno 1625 war infolge der Münzkipperei
und infolge derselben gestiegenen Lebensmittel eine solche Verarmung,
daß ohne die gemeinen Gassenbettler über 3000 Hausarme gezählt
wurden. Daher veranlaßte der Rat die beiden Baumeister Imhof und
Zobel nebst drei anderen vom Rat auf Mittel und Wege zu danken, wie teils
dem gemeinen[?] Allmosenseckel besser aufgeholfen teils dem höchst
besch[w]erlichen Hausbettel gesteuert, teils ein Unterschied zwischen den
ehrlichen und den leichtfertigen Bettlern gemacht werden könne. Infolgedessen
erließ der Rat einen Aufruf an die vermöglichen Bürger
zu reichlichen Beiträgen und die fremden liederlichen Bettler wurden
aus der Stadt getrieben.
Den 27. November 1625 "verwechselte"
Balthasar Langenmantel, des Rates und Oberrichter das Zeitliche mit dem
Ewigen, und den 7. Dezember folgte ihm in die Ewigkeit nach jener oben
mehrmals erwähnte Martin Zobel von Pfersee, ein Ratsherr und Baumeister.
Als Zobel noch Besitzer von Pfersee
war, wohnte in dem Dorfe der Maurer David Mozart, der 1643 Bürger
von Augsburg wurde; von diesem ehemaligen Pferseer Maurer stammt der berühmte
Tondichter Wolfgang Amadeus Mozart ab.
Aus dem Jahre 1622 ist auf einem Buche
betitelt: "Hailigen-Rechnvng zv Pfersche" in wunderschöner Schrift
folgendes zu lesen:
"Inn Gottes Namen Amen.
Alls man zelet nach Christi vnsers
lieben Heren vund Seeligmachers geburt Aintausend Sechshundert zway vnd
zwanzig Jar den Anderen tag des Monats January, hab ich Johann Kleber Notarius
vnd Gerichts Schreiber zu Pfersee die Heyligen Rechnungen inn dises Buech
zu schreiben angefangen der Allmechtige welle sein gnad darzu geben Amen."
Dann folgt folgender Vers:
"Heylig ist vnser Her.Gott
Heylig ist der Her.Zebaot
Ja: Heylig ist allain Gott
Der alles inn seinen händen hot
Alle Land sein seiner ehren vol
Darumb alle welt Ihn preisen soll
Der preis vnd rhuem inn aller welt
Billich nun Gott wiert zu gestelt."
Anno 1717 im Augsut, so war der Sonntag
vor Laurentii hat sich früh morgens unter "währender" Predig
Zeit bei einer unerträglichen Hitz "der Himmel mit einer solichen
Finstere überzogen, daß man kümerlich lesen können",
es erhob sich zugleichein heftiger Sturmwind mit darauf erfolgtem Schauer
und Platzregen und endlich "nach anhaltendem diesem halbviertelstündigen
Ungewitter schlug es mit fast niemals erhörten Gewalt zu oberst in
das Dach am hinteren Schießer des Langhauses ein", zerschmetterte
die großen Bäume dort auf dem Rasen, "warf auf der Chorkirche
unter und ober der Orgel die meißte Leut zu Boden, verletzte mehr
als 20 Personen mit groß und kleinen Brandblatern, tötete auch
mittels des starken Dampfes und Dunstes 2 Männer und zwar auf der
unteren Stieg zur Chorkirchen einen Soldaten, mitten in den Mannstühlen
aber traf es verwunderlich den Lachenbauern von Bergen (Stadtbergen) und
schlug ihn mauß dot, da er 5 Tage vorhero feine zweite Hochzeit gehalten."
Was das für ein Schrecken und Jammern war, da von dem "Dunst" so viel
zu Boden lagen ist nicht auzusprechen und war "doch der zirnete Himmel
mit dißem noh nit begnieget", sondern etliche Vaterunser lang hernach
geschah der zweite Streich neben S. Antoni Altar und gleich drauf der dritte
zu oberst in Thüre," da dann ein soliches Krachen, daß ich vermeint
hab, die gantze Kirch falle zusammen." Das Lamentieren und Schreien "Großer
imd Kleiner war so erbärmich, daß ein stein hött müsse
bewegt werden.
Bei alem diesem war doch gott lob und
dem heiligen Donato die Ehr gegebe, sehr guet, daß diese streich
kein feur mit geführt, dann da dies geschehen wäre, würde
alles in brand aufgangen und die meisten Pfarrkinder verbrant sein. Unter
währendem diesem Elend stand bei ausgesetztem eibio H. Andreas Wöhrle
damaliger Frühmesser und unterbrach die hl. Messe nit. Ich und mein
H. cooperator hatten unsere Hände voll zu thun bis die Leuth wider
in etwas sich erhollet." Nachdem nun gegen 1/2 11 Uhr der Jammer in "etwas
vorbei rief ich die meisten Gemeindsmänner zusammen, stellte ihnen
vor, wie man Ursach habe den zirnet Gott zu gesenftigen." Wir taten dann
ein"Gelbt alle jahr an Creutz erhöhung zu dem wunderbahrlichen guett
in Augsburg ein Creutzgang anzustellen, und jährlich an dem Sonntag
vor Laurentii ein zehnstündiges Gebett zu halten. Item war in hiesiger
Gemend wargenommen, fürhin die Feiertag besser zu halten und zwar,
dem miller verbotten, an son und feiertag kein Maltz abzuhollen oder sonst
ins Dorff zu fahren,in gleichen dem würth kein Bier auszufiehren,"
Anno 1733 hat man die zwei größeren
"gloggen umbgegeßen, und zwar auf folgende Weiß. H. Joseph
Lengenmantl, damahliger Pfriendt Pfleger hat von hießiger Gemaindt
einen Plaz erkauft, so jenseits der Wertach auf dem Weg gegen Gögging umb
110 fl. Der Mülher allhier in gleichem ein Plätzel auf der Vieh-Waidt
zu einem Hauß per 50 fl. Dieses Gelt hat die Gemaindt zur umbießung
der gloggen hergeben. Dahero das Langenmantl:e Wappen mit einem
doppleten Rosse auf der gloggen zu sehen, als wäre der Herr Langenmantel
Benfactor geweßen, sondern nur Promotor."
Aus dem Jahre 1746 ist folgende Grabinschrift
für Herrn Pfarrer Eschenlohr, der 51 Jahre die Pfarrei Pfersee versah,
vorhanden:
(Wappen).
"Dort liget vor dem Creutz
Altar
Der Zweymahl Jubilaeus war
Ein und fünnfzig Jahr ein einem
orth
Gepredigt hat das Göttlich worth
Den Last der Seelsorg Tragen
Den soll mann wan Er schwach und math
Und sich schon aufgearbeith hat
Nit umd die ursach Fragen
Wer aber glaubt es fey nit wahr
Daß einer ein und fünffzig
Jahr
Auf einer Pfarr gewesen
Der nenn mir ein, ich kenne kein
Hebs auch von wenig glesen."
R.I.P
Anno 1754 den 19. Mai ließ Hans
Riederer, Schlößlewirt allhier ein Feldkreuz aufrichten an seinem
Acker gelgen an dem Leitershofer Weg. Allda stand schon zuvor ein Kreuz,
"soer Riederer vor 19 Jahren hingestiftet, er muß allzeit dieses
Kreuz unterhalten. Es gehen im Sommerabend öfters andächtige
Pferseer dahin, das hl. Kreuz zu grüßen und ihre Andacht zuverrichten.
Dieses letzte Kreuz also eingesetzt am Sonntag Rogatioen. Nach dem Amt
zuog man von der Kirch mit Kreuz und Fahnen aus. Vor dem Herr Pfarr und
Kaplan her wurde getragen die große Fahne." Nach dem Fahnen führte
Johann Riederer, des Schlößlewirts einziger Sohn, mit vier Braunen
das auf einem Wagen befindliche, schön gezierte Kreuz. Hernach kam
Her Pfarrer und Kaplan "im Chorrock und Stol." Man betete bis an den Ort
den hl. Rosenkranz. Am Ort weihete Herr Pfarrer Ignati Förg das Kreuz,
die Bildnis Maria und St. Johannis, wie auch die Grub. "Darnach ward das
Kreuz mit Gabeln und Scheren aufgerichtet, so geschwind und hurtig, daß
sie nicht länger als 4 Minuten brauchten, so stand das Kreuz schon
aufrecht.
Anno 1761 fiel unsere Kirchweih wie
sonst auf das Rosenkranzfest d. 4. Okt. Diesen Tag warf es einen schuhtiefen
Schnee,"ohnerachtet es am Vorabend gar hell und gut Wetter War." In diesen
Schnee ist es getroffen und dauerte diese große Kälte 8 Tag.
Darauf fíng es an "zu Regnen, und Regnete 3wochen fast continuierlich,"
in allen Kellern war Wasser angelaufen und dauerte das Wasser bis Allerheiligen.
"Kräutlwahr wurde verderbt und die Bäume litten schden indem
der Schnee die äst abtruckte." Jedoch sagte man, daß es unterhalb
Biberach keinen Schnee geworfen. In diesem Jahr war Juli, August und "überhalb
September eine fast unerträgliche Hitze, also daß gar viele
hier und anderstwo die Rothe Rose bekamen. Junge, alt und Kind", starben
aber nur 3 bis 4 Kinder und "ein vierzig Jähriges, die übrige
wurd curiert moist mit Brennsüppen und venzianischen Teriack."
Im August 1765 ist in "Insprug" (Innsbruck)
gestorben der "allerdurchlauchtigste, unüberwindlichste Kaiser Franciscus
I." Es wurde auf höchsten Befahl in der ganzen Diözese 3 Seelämter
3 Tag hinter einander gehalten, bei dem Ersten war eine Trauerrede. Durch
6 Wochen wurde alle Tage von 12 bis 1 Uhr "mit allen Kloggen geleitet,
und war alle Music in den Wirtshäusern verboten."
Anno 1768, den 20. August sind Ihre
Hochfürstl. Durchlaucht Bischof zu Augsburg, der Hochwürdigste,
Durchlauchtigste Fürst und Herr Joseph Bischof zu Augburg, Landgraf
zu Hessen etc. etc. in Gott selig entschlafen. Höchstderselbe ward auf
einem prächtigen Trauerbett "bey Villen weisen wax Kerzen" in St.
Lambert Hof Kapell öffentlicg´h durch 9 Tag ausgesetzt. Den
30. August war der "Leicht Conduct." Den höchstseligen Leichnam haben
getragen 12 Decani und Camerarii, "Bey" und unter denen auch Ich Ignati
Förg, damahliger Pfarrer in Pfersee aus dem Rmo Archidiaconate
war." Auf dem Lande mußten 3 Gottesdienste gehalten und 4 Wochen
lang geläutet werden, auf der "Baar" oder neben derselben waren "12
gelbe Fürling Kerzen angezindet."
Folgende Grabinschrift wurde dem Kaplan
Joseph Kymacher, der im Alter von 32 Jahren am 26. April 1772 gesorben
ist, gesetzt:
"Ein Opfer bester Jugend
Ein Mann von größter Tugend
Verdienstvoll er Gott eilte zu
Von Arbeit in die ewige Ruh."
Eine weiter Grabinschrift für Peter
Teutschmann, Bürger und Bildhauer in Augsburg, gesorben im Alter von
38 Jahren am 7, Juli 1778, lautet also:
"Teutschmann an Gutter Mann
auch gutter Christ dabey
Die falsche Wertach hier ihm worden
ungetreu
Damit wo Jesu Hertz als ein Werk seiner
Hände
Auch dort der Künstler ruh nach
seines Lebens ende."
R.I.P.
Im Jahre 1805/6 kam Pfersee an die Krone
Bayerns.
Im Jahre 1813 erging folgender allerhöchster
Befehl: Es werden durch die "allhiesige Polizey" für die königl.
Bayrischen verwundeten Krieger alte Lumpen und Leinwand gesammelt werden
zu Charpie, die von den "Schulkindern müssen gezopfet werden"; es
werden also alle Gutdenkenden ersucht, dieselben bis übermorgen in
Ordnung zu bringen. Die nichts beitragen wollen, werdet aufgezeichnet und
an die allerhöchste Stelle eingeschickt.
Im Jahre 1817 starb Frau M. M. Bei
ihr steht im Sterberegister folgende kurze Bemerkung: "Hunger bingt Tod."
Bei einem Manne namens J. M. Lautet die Bemerkung: "Der beste Arzt würde
gute Kost gewesen sein". Bei einem weiteren Manne lesen wir folgende Notiz:
"Ertrunken in der Wertach aus Not und Melancholie."
Morgen, Als am 1. Juni (1818) wird
bis 8 Uhr früh in Kriegshaber im Wirtshause zur Sonne die jährliche
Impfung wieder vorgenommen werden. Es haben zu diesem Ende dabei alle diejenigen
Kinder zu erscheinen, welche im Jahre 1816 und 17 dahier geboren und noch
nicht geimpft worden sind.
Das Jahr 1820 bringt uns einen seltenen
Todesfall: U. B. 46 Jahre alt wurde von einem hölzernen Schlegel,
der sich vom Stiele ablöste, und dem er beim Einmachen seines Gartens
gegeüberstand dergestalt in der Gegennd der Leber getroffen, daß
er nach 9tägigem Leiden starb. Bei der Sektion fand sich, daß
die Leber in Stücke zerstoßen, die Gallenblase zersprengt. Man
erwartete für ihn in Kurzem die päpstliche Dispensation zur Ehelichung
feiner Schwägerin.
Im Jahre 1825 fand Frz. X. L. 24 Jahre
alt ein naßes Grab. Er ging sehr berauscht von einer Wirtschaft zu
Göggingenweg und höchst vermutlich wollte er den nächsten
Weg nach Pfersee durch die Wertach waten obwohl ihr Wasserstand sehr groß
war. Er wurde unter der Wertach brücke "durchschwemmen" gesehen, glaiblich
schon tot, ohne daß es von den Gegenwärtigen einer wagen konnte
ihn herauszuziehen, "und wurde unter die Stauden am Damme vom Wasser angehängt"
in der Tiefe an 9. Dezember von Arbeitern am Damme vorgefunden.
Ein weiteres Unglück berichtet
das Sterberegister vom 3. Aug. 1829 von einem Manne schon 72 Jahre alt.
Er fiel, da er ein ihm in den hiesigen Mühlbach entfllenen Schwärtling
wieder mit einer nahe gelegenen Heugabel herauslangen wollte in selben
und ertrank indem von anwesenden Wäscherinnen nicht Hilfe schnell
genug konnte geleistet und herbeigerufen werden. Die an dem Bache anwesenden
Wäscherinnen sahen ihn in denselben hineinstürzen und die bis
nach dessen Heruasziehung vermißte Gabel wurde im Bach vorgefunden.
Bei dessen Herausziehung durch den Mehlber X. W. und bei Hilfe anderer
atmete er nur noch etliche male.
Im Jahre 1836 wurden sämtliche
Pfarrkinder, wegen der großen Gefahr, die durch den Ausbruch der
asiatischen Brechruhr unserem Dorfe und zwar jedermann drohte, zur Mäßigkeit
und Ordnung aufgefordert. Insbesondere wurden sie erinnert, daß sie
die Armen, namentlich die Hausarmen und wahrhaft HIlfsbedürftigen
auf mögliche Weise unterstützen und so womöglich dieses
große Übel abzuwenden helfen.
Im Jahre 1837 am 30 . Dezember wurde
vermittelst gewaltsamen Einbruchs in den Kasten des hl. Placidus aus demselben
morgens zwischen 9 und 11 Uhr 11 Münzen und 9 Ringe entwendet.
Im Jahre 1852 am 11. Oktober starb
unvermutet und schnell Herr Gustav Freiherr von Speth, Schloßbesitzer,
kgl. Württemb. Major a. D. Derselbe wurde sekziert und einbalsamirt
und nach ausdrücklicher schriftlicher Willenserklärung nach Untermarchthal
abgeführt und dort in der Familiengruft begesetzt.
Noch in demselben Jahr kam das Schloß
in den Besitz des Baron von Welden. Ende 1873 kaufte es ein Schneider namens
Hüttinger, von diesem Privatier Sendlinger in Augsburg, der es im
Jahre 1876 an den General v. Sprunner in München verkaufte.
Im Frühjahr 1882 erwarb die Gemeinde
Pfersee das Schloß um 44000 Mark, um es zum Aremn- und Krankenhaus
einzurichten und den barmherzigen Schwestern zu übergeben.
Dies geschah am 4. Oktober 1882. In
dem heute noch stehenden Schloß befand sich anfangs des vorigen Jahrhunderts
das kgl. Rentamt.
Daß auch früher schon darauf
gesehen wurde, daß die Werktagsschüler fleißig den Unterricht
besuchen sollen, zeigt folgende Ermahnung aus dem Jahre 1863 und zwar vom
23. August. "Da die Getreideernte größtenteils beendet ist,
so wird von morgenan wieder für sämtliche Werktagsschüler
Sommerschule gehalten. Eltern werden hiemit ermahnt ihre wertagsschulpflichtigen
Kinder vormittags fleißig zur Schule zu schicken."
Für die durch Brand verunglückten
Bewohner der Stadt Furth in der Oberpfalz, wodurch 187 Wohn- und Nebenhäuser
eingeäschert und 129 Familien abdachlos wurden, wie auch für
die gleichfalls durch BRand verunglückten Bewohner von Partenkirchen
woselbst 69 Wohnhäuser total niederbranden und 130 Familien abdachlos
wurden wird diese Woche (1863, 20 September) eine Kollekte von Haus zu
Haus durch ein Gemeindeverwaltungsmitglied oder durch den Gemeindediener
vorgenommen, und da die Not eine große ist, die Mildtätigkeit
und Guttätigkeit der Pfarrgemeinde mit freiwilligen Gaben an Geld
und Naturalien angerufen.
Zum Schluß will ich noch nachfolgenden
Brief an das Bischöfliche Ordinariat aus dem Jahre 1826 hierhersetzen.
"Durch ein wohltätiges Geschenk
des Herrn Georg Lotter von Eisenpretzhofen der Pfarrei Biberbach besitzt
die Pfarrgemeinde Pfersee den hl. Leib des hl. Martyrers Placidus. Der
obengenannte brachte den 23. Februar 1826 von Rom zurückkommend, gemäß
einer Authentic diesen heiligen Leib in einer papendeckelnen Schachtel
unversehrt verschlossen und gut verwahret hieher, um ihn hier seinem Geburts-
und ehemaligen Wohnorte seiner Eltern der öffentlichen Verehrung auszustellen.
Die Pfarrgemende freut sich in wahrhaft
christlichem Sinnder Heiligkeit der Sache gemäß, und ist entschlossennach
Möglichkeit alles aufzuwenden damit dieser hl. Leib gebührend
gefaßt und der öffentlichen Verehrung in der Pfarrkirche auf
dem Seitenaltar des hl. Josef ausgestellt werde.
Daher stellt der Unterzeichnete und
die im Namen der Gemeinde unterschriebenen Gemeindeverwaltung die ehrfurchtsvolle
Bitte unter Anlegung der Authentic über diesen Heiligen an das hochwürdigste
bischöfliche Ordinariat um die gnädigste Bewilligung der öffentlichen
Ausstellung dieses hl. Leibes und Verfügung des hierüber Treffenden.
Pfersee, den 8. März 1826.
In tiefer Ehrfurcht
des hochwürdisten Bischöflichen
Ordinariates
Unterthänig gehorsamster
Johann Georg Meitinger, Pfarrer
Pfarrherren
der Gemeinde Pfersee.
zusammengestellt nach dem
pfarramtlichen Urkundenmaterial.
| 1. |
Blumenthaler,
Egidius |
vom Jahre |
1519-1529 |
| 2. |
Morenhaupt, Simpertus |
|
1529 ab |
| 3. |
Gruner, D. Friedrich |
|
1591-1606 |
| 4. |
Brendler, M. Maximilian |
|
1606-1612 |
| 5. |
Riß, M. Jacob |
|
1612-1618 |
| 6. |
Strobl. Philipp |
|
1618-1636 |
| 7. |
Mayr, Joann |
|
1636-1640 |
Dieser versah Oberhausen,
Pfersee und Stadtbegen zugleich.
| 8. |
Stöger,
Joan Baptista |
vom Jahre |
1640-1661 |
| 9. |
Sarter, Joan |
|
1661-1665 |
| 10. |
Fendt, Joann |
|
1665-1670 |
| 11. |
Lipp, Joann |
|
1670-1695 |
| 12. |
Eschenlohr, Ignatius |
|
1695-1746 |
51 Jahre Pfarrer zu
Pfersee
| 13. |
Foerg, Ignatius |
vom Jahre |
1746-1769 |
| 14. |
Schwinghammer, F. Josef |
|
1769-1789 |
| 15. |
Geberth, Andreas |
|
1790-1796 |
| 16. |
Miller, Stanislaus |
|
1796-1799 |
| 17. |
Keller, Joannes Thaddeus |
|
1799-1801 |
| 18. |
Kroen, Laurentius |
|
1801-1806 |
| 19. |
Mayr, Joann |
|
1636-1640 |
| 20. |
Rigler, J. Benedict |
|
1818-1823 |
| 21. |
Meitinger, J. Georg |
|
1823-1833 |
| 22. |
Strobel, Franciscus |
|
1833-1840 |
| 23. |
Mayrhofer, J. Udalr. |
|
1840-1849 |
| 24. |
Egger, Joannes Nep. |
|
1849-1869 |
| 25. |
Ulschner, Antonius |
|
1869-1870 |
| 26. |
Dirr, Joseph |
|
1870-1893 |
| 27. |
Schwab, Anton |
|
1893 an. |
-------- Ende. --------
|
|